Interview: Friseurmeisterin Melina Stog erklärt, warum sie sich als Prüferin engagiert | HANDWERK IN BERLIN 2026 - 1„Weil mir das Handwerk wichtig ist“

Melina Stog (30) hat vor fünf Jahren ihren Meisterabschluss im Friseurhandwerk gemacht. Heute führt sie gemeinsam mit einem Kollegen den Salon „The Colored Cut“ in Friedenau. Aber nicht nur das. Sie engagiert sich auch ehrenamtlich im Handwerk – in ihrer Freizeit nimmt sie Meisterprüfungen ab, ebnet also den Weg für die Meisterinnen und Meister von morgen. Im Interview erzählt sie, was sie genau tut und warum sie sich engagiert.

Friseurmeisterin Melina Stog
Valentin Paster
Friseurmeisterin Melina Stog engagiert sich ehrenamtlich als Prüferin

Wie sind Sie zum Ehrenamt gekommen?

Ich wollte mich schon seit längerer Zeit ehrenamtlich in Berlin engagieren. Als ich herausgefunden habe, dass ehrenamtliches Engagement auch in meinem eigenen Bereich – dem Handwerk – möglich ist, fand ich das sehr spannend. Ich habe die Handwerkskammer Berlin kontaktiert und mich nach den verschiedenen Möglichkeiten des Engagements erkundigt. Die Handwerkskammer hat mir dann mitgeteilt, dass Prüfer*innen für den Meisterprüfungsausschuss gesucht werden und dass ich mich dort engagieren kann. Und das habe ich gerne angenommen.

Was machen Sie als Prüferin genau?

Ich bin gerade dabei, meine ersten Prüfungen zu begleiten. Meine Aufgabe ist es, die schriftlichen Prüfungen zu korrigieren. Wir machen das nach dem 4-Augen-Prinzip. Das heißt, es gibt mich und einen zweiten Prüfer. Die Prüfungen sind zum Thema Betriebswirtschaftslehre, also Inhalte, die für die spätere Selbstständigkeit als Friseur*in wichtig sind.

Bisher macht mir das Korrigieren viel Spaß. Es ist möglich, sehr flexibel zu arbeiten, denn die Prüfungen werden von einem Kurier zu mir nach Hause geschickt und ich kann dann entscheiden, wann ich es erledige.

Was motiviert Sie, sich ehrenamtlich als Prüferin zu engagieren?

Ich finde es einfach schön, dass so viele Menschen den Meisterabschluss in meinem Gewerk machen wollen und das möchte ich unterstützen, indem ich die Prüfungen abnehme. Denn wenn wir uns als Prüfer*innen nicht engagieren, gibt es letztlich keine Meister*innen in dieser Stadt. Ich möchte einfach, dass das Handwerk beständig bleibt, weil mir das Handwerk wichtig ist.

Ich finde die Tätigkeit außerdem sehr sinnvoll, um selbst up to date zu bleiben. Ständig ändern sich wichtige Gesetze und so kenne ich als Prüferin immer automatisch den neuesten Stand.

Wie ist der Austausch unter den Prüferinnen und Prüfern?

Sehr gut. Ich schätze den Austausch sehr. Ich bin zusätzlich aktiv bei den Berliner Handwerksjunioren, von denen sich wiederum auch viele in den Prüfungsausschüssen engagieren. Da können wir viel miteinander besprechen und uns gegenseitig Ratschläge geben.

Wie wollen Sie als Prüferin agieren, was für eine Prüferin wollen Sie sein?

Es ist für mich sehr spannend, jetzt mal die Seite zu wechseln, denn bisher kannte ich die Prüfungssituation ja nur aus Sicht der Geprüften. Mit dem Wissen beider Seiten ist es mir wichtig, nach Möglichkeit immer im Sinne der Menschen zu handeln. Ich möchte eine faire Prüferin sein. Ich denke, eine positive Einstellung der Prüfenden ist angebracht und Nachsicht sollte für mich als Prüferin kein Fremdwort sein.

Warum ist eine ehrenamtliche Tätigkeit aus Ihrer Sicht generell wichtig?

Ehrenamtliches Engagement ist sehr wichtig für unsere Gesellschaft. Zum einen unterstützt es Bereiche, die sonst nur schwer bestehen könnten. Zum anderen profitieren auch die Menschen davon, die sich engagieren. Ich erlebe, dass Ehrenamtliche immer mit viel Herz dabei sind. Man bekommt durch das Engagement sehr viel zurück – und das macht glücklich.

Interview: Helena Golz

Weiterführende Themen

Ehrenamt, Handwerkskammer, Prüferin, Prüferfest, HiB, Handwerk
Valentin Paster

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