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Umwelt & Energie

Klimaschutz ist inzwischen ganz oben auf der politischen Agenda angekommen. Das hat in vielen Bereichen konkrete Konsequenzen, auch für die Betriebe als Betroffene und Umsetzer konkreter Maßnahmen. Das Handwerk als "Offizieller Ausrüster der Energiewende" bringt sich aktiv insbesondere bei der energetischen Gebäudesanierung ein.

Förderung der energetischen Gebäudesanierung in Berlin – Der aktuelle Stand

Vor knapp zwei Jahren, im Dezember 2019 hat das Land Berlin die Klimanotlage beschlossen. Im Juni 2021, schon anderthalb Jahre später, wurde dazu ein Maßnahmenplan verabschiedet. Einer der zentralen Handlungsfelder ist die energetische Gebäudesanierung, da die Beheizung der Gebäude mit fossilen Energien immer noch die wichtigste Ursache der CO²-Freisetzung in Berlin ist. Der Senkung des Verbrauchs durch Verbesserungen an der Gebäudehülle und eine Erneuerung der Heizungstechnik kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass Berlin neben der Förderung auf Bundesebene (Bundesförderung energetische Gebäudesanierung; BEG) zusätzliche Mittel zur Verfügung stellt.

Leider hat das Einstiegsprogramm zur Förderung der Heizungssanierung, das Programm „Heizungstausch PLUS“, das über die Tochter der Investitionsbank Berlin (IBBT) abgewickelt wurde, nach Ansicht vieler Handwerksbetriebe nicht die Anforderungen an ein unbürokratisches und einfach zu nutzendes Förderprogramm erfüllt. Dazu zwei Beispiele: Eine Antragstellung in diesem Programm war bisher nur online möglich; für viele ältere Eigenheimbesitzer nach wie vor eine erhebliche Zugangsbarriere. Auch waren die Fördervoraussetzungen nicht sehr eindeutig, so dass viele Anträge trotz erheblichem Aufwand am Ende negativ beschieden wurden.

Deshalb ist es durchaus zu begrüßen, dass „Heizungstausch PLUS“ zum Jahresende 2021 ausläuft und durch das bereits bestehende Programm  „effiziente GebäudePLUS“ ersetzt wird. Dieses Programm wird von der Investitionsbank Berlin (IBB) selbst abgewickelt und orientiert sich in den Konditionen sehr stark an denen der Bundesförderung BEG. Damit kann bei einer Förderzusage des Bundes in der Regel auch von einer Landesförderung ausgegangen werden. Das neue Programm fördert nicht nur die Erneuerung der Heizungstechnik, sondern energetische Verbesserungen am gesamten Gebäude.

Allerdings gibt es zu diesem deutlich verbesserten Angebot, das die Sanierung von Wohn- und Nichtwohngebäuden in Berlin unterstützen soll, zwei Wermutstropfen:

  1. Mit dem Beginn des Jahres 2022 ist eine vorläufige Haushaltsführung in Kraft getreten, da der neue Senat zunächst einen Haushalt vorschlagen muss, der dann vom Abgeordnetenhaus zu verabschieden ist. Das wird voraussichtlich mindestens das erste Halbjahr in Anspruch nehmen. Bis dahin gibt es aktuell keine Fördermittelzusagen.

  2. Die Mittelausstattung für dieses deutlich umfangreichere Förderprogramm ist bisher nicht sehr großzügig. Das bedeutet, das mit einigen größeren Anträgen zum Beispiel von Berliner Wohnungsunternehmen das Programm schnell an seine finanziellen Grenzen kommen könnte. Eine bessere finanzielle Ausstattung ist möglich, hängt aber letztendlich an den Entscheidungen des Berliner Abgeordnetenhauses, die bei enger werdenden Haushaltsspiel­räumen kein Selbstläufer sein werden.

Trotz dieser kritischen Punkte ist es durchaus zu begrüßen, das sich Berlin in der Klimanotlage mit einem Förderprogramm um die Minderung der bedeutendsten Quelle von Klimagasen in unserer Stadt bemüht.





Energetische Sanierung: Klimaschutz als Wirtschaftsfaktor

Berlin hat sich beim Umweltschutz ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2050 will die Stadt klimaneutral sein. Dazu muss der  gesamte CO2-Ausstoß um rund 95 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 sinken. Eine wesentliche Rolle für das Erreichen der Klimaziele spielt die energetische Sanierung von Gebäuden, denn Häuser und Wohnungen sind aktuell für etwa die Hälfte der CO2-Emissionen der Stadt verantwortlich. 

Eine  Studie der Nymoen-Strategieberatung im Auftrag der Initiative Wärmewende hat nun erstmals berechnet, welche Investitionen notwendig sind, um bis 2050 den Berliner Wohngebäudebestand energetisch zu sanieren.

Demnach sind in den kommenden 30 Jahren insgesamt Ausgaben von 91 Milliarden Euro nötig, also drei Milliarden Euro pro Jahr. Vermieter einer Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus müssen demnach pro Quadratmeter und Monat mit 2,89 Euro Extrakosten für die energetische Sanierung kalkulieren.

Nach dem  Mietendeckel-Gesetz des Berliner Senats darf allerdings während der Geltungsdauer des Mietendeckels nur ein Euro pro Quadratmeter und Monat auf die Miete umgelegt werden. Angesichts der hohen Summen, die die Vermieter nun weitgehend allein schultern müssten, befürchtet die Initiative Wärmewende, dass die Klimawende im Gebäudesektor ausgebremst wird. Sie fordert vom Senat eine faire Lastenverteilung bei den Kosten und empfiehlt diese auch als konjunkturellen Impuls für die Wirtschaft.



Energiewende in Berlin: 
Werden die Chancen für das Handwerk genutzt?

Mit der Entscheidung der Bundesregierung, die Energieversorgung Deutschlands grundlegend umzugestalten, sind einige Risiken aber auch große Chancen verbunden. Das Handwerk hat sich als „Offizieller Ausrüster der Energiewende" positioniert und möchte die Umsetzung aktiv begleiten und mitgestalten.

Auch Berlin bringt sich öffentlich für die Umsetzung der Energiewende in Position. Bis 2050 soll Berlin klimaneutral werden. Dazu wurde ein Energiewendegesetz verabschiedet und ein Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK) mit konkreten Maßnahmen erarbeitet, um dieses Ziel zu erreichen. Mit der Beschlussfassung durch das Parlament startete im Januar 2018 die Umsetzungsphase des BEK 2030.

Die Handwerkskammer Berlin bringt sich konstruktiv in diese Prozesse ein. Gleichzeitig drängt das Berliner Handwerk darauf, die ambitionierten Ziele möglichst schnell mit konkreten Maßnahmen zu unterlegen. Denn viele Chancen bleiben ungenutzt:
Unsanierte Schulen und Schwimmbäder die mehr ihr Umfeld als die Innenräume erwärmen und Heizkessel, die ihre beste Zeit seit 20 Jahren hinter sich haben, finden sich immer noch in vielen öffentlichen und privaten Gebäuden. Dort können kluge Investitionen zu Einsparungen führen, die sich in wenigen Jahren amortisieren.



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