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Trotz Corona: Berliner Handwerksbetriebe weiter voll auf Ausbildungskurs

Pressemitteilung der Handwerkskammer Berlin vom 26. Mai 2021


Trotz des teilweise heftigen Gegenwindes durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die meisten Berliner Handwerksbetriebe ihren Optimismus nicht verloren: Einer Sonderumfrage der Handwerkskammer Berlin zufolge wollen zwei Drittel der ausbildenden Betriebe in diesem Jahr ihre Ausbildungsleistung im Vergleich zum Vorjahr mindestens stabil halten oder sogar ausweiten.

Sieben Prozent der Ausbildungsbetriebe sehen in der Corona-Krise eher verbesserte Chancen, einen Auszubildenden zu gewinnen. Mehr als 70 Prozent der ausbildenden Betriebe glauben, dass ihre Chancen einen Auszubildenden zu finden, unverändert sind. Nur jeder fünfte Ausbildungsbetrieb sieht seine Chancen durch die Corona-Pandemie geschmälert.

„Das Handwerk hat sich seit Beginn der Corona-Krise als sehr flexibel und widerstandsfähig erwiesen. Und jetzt denken viele Betriebe schon an die Zeit nach der Krise und stehen in den Startlöchern. Sie bieten jede Menge spannende und krisensichere Ausbildungsplätze an. Die Schulabgängerinnen und -abgänger sind im Handwerk herzlich willkommen“, so die Präsidentin der Handwerkskammer Berlin, Carola Zarth.

Die Ergebnisse der Sonderumfrage zeigen auch, dass die Betriebe vergleichsweise wenig Personal entlassen mussten. Frühzeitige Urlaubsgewährung, Kurzarbeit und der Abbau von Arbeitszeitkonten waren die bevorzugten Instrumente zur Vermeidung von Entlassungen. Dies führte dazu, dass zwei Drittel der befragten Betriebe angaben, ihren Personalstamm gehalten zu haben, fast neun Prozent konnten sogar neues Personal einstellen.

Bei der Beantragung staatlicher Hilfen zeigen sich die Berliner Handwerksunternehmen sehr zurückhaltend: Lediglich sechs Prozent aller antwortenden Betriebe haben bislang einen Antrag auf Überbrückungshilfe III gestellt, weitere sechs Prozent beabsichtigen, dies noch zu tun. Neun Prozent der Betriebe sind sich noch nicht sicher, ob sie einen Antrag stellen werden oder nicht. Das Gros der Betriebe – fast 80 Prozent – wird keinen Antrag stellen. Prozentual gesehen kommen die meisten Betriebe, die bereits einen Antrag auf Überbrückungshilfe III gestellt haben, aus dem Nahrungsmittelgewerbe und aus den Handwerken für den persönlichen Bedarf. Im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe spielt die Überbrückungshilfe III so gut wie keine Rolle, ebenso wenig bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, wo vier von fünf Betrieben keine Antragstellung planen.

Die zugleich durchgeführte Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Berlin ergab, dass trotz der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen immer noch 34 Prozent der Berliner Handwerksbetriebe ihre aktuellen Geschäftsergebnisse als gut bewerten. 23 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Damit verliert der Saldo im Vergleich zum Herbst 2020, liegt aber immer noch im positiven Bereich.

„Alles in allem ist der Großteil der Berliner Handwerksbetriebe bisher gut durch die Pandemie gekommen. Die Betriebe haben im Umgang mit der Krise wieder einmal ihre enorme Anpassungsfähigkeit bewiesen. Und sie haben gezeigt, dass sie alles daransetzen, ihr Personal zu halten. Allerdings haben sich die Erwartungen der Betriebe an das kommende Halbjahr deutlich eingetrübt. Daher ist der Geschäftsklimaindex mit 99 Punkten zum ersten Mal seit 2010 unter die 100-Punkte-Marke gesunken“, erklärt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin, Jürgen Wittke.

Der Geschäftsklimaindex (GKI) bildet sowohl die aktuellen Einschätzungen der vergangenen sechs Monate als auch die Erwartungen der Betriebe für das kommende Halbjahr ab.

Die Zahl der Beschäftigten im Berliner Handwerk ist im vergangenen halben Jahr gesunken. Über alle Branchen betrachtet haben zehn Prozent der Betriebe neue Mitarbeiter eingestellt, 20 Prozent der Unternehmen mussten sich von Personal trennen. Einzig das Gesundheitsgewerbe konnte Beschäftigung aufbauen, alle anderen Handwerksbranchen weisen einen negativen Beschäftigungssaldo aus. Die Beschäftigungspläne der Handwerksbetriebe sind jedoch schon wieder leicht optimistisch, die aktuellen Zahlen deuten auf eine Stabilisierung des Beschäftigungsmarktes hin. Erfreulicherweise sehen 14 Prozent aller Betriebe Chancen, zusätzliches Personal einzustellen, neun Prozent wollen ihren Personalstamm verkleinern. Die große Mehrheit – 77 Prozent – möchte ihren Personalstamm auf dem derzeitigen Niveau halten.

Im Vergleich zum Vorjahr verliert der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen 30 Punkte und steht damit aktuell mit 28 Zählern im Minus. Für die kommenden Monate rechnen die Betriebe mit einer negativen Umsatzentwicklung, sind allerdings nicht mehr ganz so pessimistisch wie im Vorjahr: Der Erwartungssaldo liegt nur noch einen Punkt im negativen Bereich.

Die Produktionskapazitäten des Berliner Handwerks sind über alle Branchen berechnet zu 78,5 Prozent ausgelastet. Im Vorjahr, als die Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus mit teils drastischen Einschränkungen auch für das Berliner Handwerk begannen, hatte der Auslastungsgrad bei 85 Prozent gelegen.

Der Blick auf die einzelnen Handwerksbranchen zeigt ein differenziertes Bild: Im Baugewerbe liefen die Geschäfte stabil, wenn auch nicht mehr auf dem Spitzenniveau der vergangenen Jahre. Während die aktuellen Geschäftsergebnisse der handwerklichen Bauhauptbetriebe von 30 Prozent der Unternehmen als gut bewertet wurden, sehen etliche Unternehmen eher skeptisch in die Zukunft. Jeder fünfte Bauhauptbetrieb rechnet mit einer Verschlechterung der Geschäfte, lediglich 16 Prozent glauben an eine Verbesserung. Viele Betriebe aus dieser Branche sind wegen Lieferengpässen und massiv gestiegenen Materialpreisen bei Baustoffen zunehmend verunsichert.

Bei den Betrieben des Ausbaugewerbes liegt der GKI mit 110 Punkten – dem höchsten Wert aller Handwerksgruppen – annähernd auf dem Niveau des Vorjahres. Die aktuellen Geschäfte laufen immer noch gut, der Positivsaldo liegt bei 29 Zählern. Die Aufträge reichen im Durchschnitt für die nächsten neun Wochen, allerdings sinkt auch im Ausbaugewerbe die Zahl der eingehenden Aufträge, der entsprechende Saldo liegt mit neun Punkten im Minus. Folglich sind die Ausbauhandwerker auch skeptisch, was ihren Blick auf die kommenden Monate betrifft. 24 Prozent der Betriebe gehen von einer Verschlechterung der Geschäfte aus, 17 Prozent von einer Verbesserung.

Bei den Betrieben der Handwerke für den gewerblichen Bedarf berichten 31 Prozent der Betriebe von schlechten Geschäften, ebenso viele prognostizieren für die kommenden Monate eine weitere Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Situation. Der Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten sinkt, viele Betriebe könnten mehr produzieren, sehen sich aber zum Teil viel zu kleinen Auftragsbeständen gegenüber. Auf die kommenden Monate blicken die Betriebe eher pessimistisch, wenn auch die Prognosesalden zur Beschäftigungsentwicklung und zu den erhofften Auftragseingängen und Umsätzen im Plus liegen.

Im handwerklichen Kraftfahrzeuggewerbe ist die Stimmung der Betriebe unter allen Handwerksbranchen am Schlechtesten. Der Geschäftsklimaindex verliert im Vergleich zum Vorjahr 20 Zähler und steht nun bei 70 Punkten. Die Geschäfte laufen nicht gut, die Werkstattkapazitäten sind nur zu 63 Prozent ausgelastet. Insgesamt schätzen nur elf Prozent der Betriebe ihre aktuellen Geschäftsergebnisse als gut ein, aber 36 Prozent als schlecht. Wenig Zuversicht zeigt sich auch in den Prognosen der Betriebe für die kommenden Monate. Nur jeder zehnte Kfz-Betrieb erwartet bessere Geschäfte, 45 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung der Lage aus.

Noch vor einem Jahr berichtete kein einziger Nahrungsmittelhandwerker von schlechten Geschäften, nun sind es fast 60 Prozent. Der Saldo der Geschäftsergebnisse verliert gegenüber dem Vorjahr 83 Zähler und liegt somit mit 30 Punkten im Minus. Vielen Bäckereien, Fleischereien und Konditoreien fehlten während des Umfragezeitraums wichtige Einnahmen aus dem Café- und Cateringgeschäft. Die Betriebe mussten sich von Personal trennen – der Beschäftigungssaldo ist mit 35 Punkten im Minus –, die Nachfrage ist eingebrochen (Saldo = - 37), ebenso wie die Umsätze (Saldo = - 40). Aber die Berliner Bäcker, Fleischer und Konditoren verlieren nicht ihren Mut, hinsichtlich ihrer Zukunftserwartungen halten sich optimistische und pessimistische Prognosen die Waage.

Die einzige Branche, in der die Stimmung besser ist als noch vor einem Jahr ist das Gesundheitsgewerbe. Hier hat sich die Situation etwas entspannt, unter anderem wohl auch Resultat aus einer inzwischen wieder steigenden Zahl an Arztbesuchen, aus denen Folgeaufträge für Gesundheitshandwerker resultieren können. Der Geschäftsklimaindex legt im Vorjahresvergleich um 17 Zähler zu und erreicht nun genau die 100-Punkte-Marke. Gut ist die Stimmung in dieser Branche allerdings nicht. Nachfrage- und Umfragesaldo liegen mit jeweils 55 Zählern deutlich im Minus, einzig die Beschäftigungsentwicklung zeigt sich positiv, es haben mehr Betriebe Personal eingestellt als abgebaut. Insgesamt berichten 18 Prozent der Betriebe von guten Geschäften, genauso viele von schlechten. Die Erwartungshaltungen der Betriebe für die kommenden sechs Monate senden keine eindeutigen Signale für eine grundlegende Änderung der Lage in dieser Handwerksbranche, wiederum gibt es genauso viele Optimisten wie Pessimisten.

Besonders für die Betriebe aus den Handwerken für den persönlichen Bedarf, zu denen Friseur- und Kosmetikbetriebe zählen, waren und sind es schwierige Zeiten. Diese Betriebe waren direkt von staatlich angeordneten Betriebsschließungen betroffen und konnten nur unter Auflagen wieder öffnen. Der Geschäftsklimaindex dieser Branche liegt bei 76 Zählern. Die Hälfte der Betriebe klagt über ihre schlechte wirtschaftliche Situation, zwei Drittel musste Umsatzeinbußen hinnehmen. Auch bei den Geschäftserwartungen für die kommenden Wochen und Monate zeigt sich wenig Hoffnung, 48 Prozent der Betriebe gehen von einer gleichbleibenden, 39 Prozent sogar von einer weiteren Verschlechterung der geschäftlichen Situation aus.

 

Detaillierte Informationen finden Sie im kompletten Konjunkturbericht Frühjahr 2021.