Frühjahrs-Konjunkturbericht 2026 PK Handwerkskammerpräsidentin Carola Zarth und Hauptgeschäftsführer Jürgen Wittke
Helena Golz | Handwerkskammer Berlin
Handwerkskammerpräsidentin Carola Zarth und Hauptgeschäftsführer Jürgen Wittke

Pressemitteilung vom 23. April 2026Konjunktur im Berliner Handwerk: Frühjahrsbelebung bleibt aus

Umfrage zeigt wirtschaftliche Schwäche und steigende Risiken

Das Berliner Handwerk befindet sich im Frühjahr 2026 in einer spürbaren wirtschaftlichen Schwächephase. Die unter den Bedingungen der aktuellen Krise erhobenen Umfrageergebnisse zeichnen ein klares Bild der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Die Schwäche zeigt sich inzwischen nicht mehr nur in den Erwartungen, sondern auch im laufenden Geschäft – bei Aufträgen, Umsätzen und Beschäftigung.

Der Geschäftsklimaindex ist auf 100 Punkte gefallen und liegt damit nur noch auf der neutralen Schwelle. Lediglich 32 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut, 45 Prozent als befriedigend und 23 Prozent als schlecht. Der Saldo der aktuellen Geschäftslage sinkt auf nur noch 9 Punkte und erreicht damit den schwächsten Frühjahrswert seit 2013.

„Die Betriebe stehen unter massivem Druck – und das aus mehreren Richtungen gleichzeitig“, erklärt Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. „Wenn Aufträge rückläufig sind, während Energie- und Betriebskosten steigen, wird jede Investition und jede Personalentscheidung zur Rechenaufgabe. Die Betriebe fahren nicht auf Sicht, sie fahren mit angezogener Handbremse – das schadet auf Dauer dem Motor. Konkret bedeutet das: Viele Unternehmen verschieben Investitionen, ersetzen Maschinen nur noch im Notfall und stellen neue Mitarbeiter deutlich zurückhaltender ein.“

Carola Zarth, Präsidentin der Handwerkskammer Berlin, sagt: „Die fortlaufende Verschlechterung des Geschäftsklimaindexes über die letzten Jahre ist ein klares Warnsignal. Das Handwerk steht für Versorgungssicherheit, Beschäftigung und Ausbildung in unserer Stadt. Wenn jedoch die Dynamik nachlässt, darf die Politik nicht gegen das Handwerk arbeiten. Zusätzliche Kostensteigerungen wie Umlagen oder Entlastungsprämien, die faktisch für die Betriebe zur weiteren Belastung führen, verschärfen diese Situation weiter, statt neue Spielräume zu schaffen.“

Energiepreise und Lieferketten belasten Betriebe massiv

Zu den größten Risiken zählen weiterhin die hohen Energie- und Kraftstoffpreise, da viele Aufträge mit mehrfachen Fahrten zu Kundinnen und Kunden sowie Baustellen verbunden sind. 83 Prozent der Betriebe bewerten Rohstoff- und Energiekosten als hohes oder sehr hohes Risiko. Sie erhöhen nicht nur die Betriebsausgaben, sondern dämpfen gleichzeitig die Nachfrage, weil Kunden Investitionen zurückstellen. Auch die kurzfristig geplante Senkung der Energiesteuer wird aus Sicht vieler Betriebe die Preisentwicklung nicht spürbar und dauerhaft dämpfen.

Kein Aufatmen in Sicht

Der Blick nach vorn bleibt ebenfalls gedämpft. Für die kommenden sechs Monate rechnen lediglich 16 Prozent der Betriebe mit einer besseren Geschäftslage, 24 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Der Erwartungssaldo liegt bei minus 8 Punkten und signalisiert damit die weiterhin fehlende Zuversicht.

Die Nachfrage bleibt der zentrale Schwachpunkt der aktuellen Entwicklung: Der Saldo der Auftragseingangslage sinkt auf minus 15 Punkte. Gleichzeitig werden die Auftragspolster sichtbar dünner: Die mittlere Auftragsreichweite geht von 14 auf 12 Wochen zurück, die Auslastung liegt mit 82 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Rund ein Viertel der Betriebe bewertet den Auftragsbestand als zu klein.

Fachkräftemangel bleibt strukturelles Kernproblem

Trotz der konjunkturellen Abkühlung bleibt der Fachkräftemangel eines der größten Risiken. 71 Prozent der Betriebe sehen darin eine erhebliche Belastung. Die aktuelle Zurückhaltung bei Neueinstellungen ist daher keine Entwarnung, sondern Ausdruck eines Spannungsfeldes: Betriebe finden weiterhin zu wenig qualifiziertes Personal, können aber gleichzeitig aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheit weniger einstellen. Die Beschäftigungspläne bleiben nahezu auf der Stelle stehen: Der Saldo liegt bei lediglich einem Punkt.

Das Handwerk ist essenziell für die wirtschaftliche Stabilität und die Transformation Berlins. Damit es diese Rolle erfüllen kann, braucht es jetzt klare und verlässliche politische Unterstützung.

Blick auf die einzelnen Gewerke

Die Entwicklung fällt je nach Handwerksgruppe unterschiedlich aus, insgesamt bleibt das Bild jedoch angespannt.

Bauhauptgewerbe: Der Geschäftsklimaindex sinkt auf 91 Punkte. Die aktuelle Geschäftslage rutscht ins Negative, zugleich liegen Auftragseingang, Umsatz und Beschäftigung deutlich im Minus.

Ausbaugewerbe: Mit 103 Punkten bleibt der Index zwar knapp über der neutralen Marke, die Gruppe kann die Handwerkskonjunktur aber spürbar weniger stützen als in früheren Jahren.

Kraftfahrzeuggewerbe: Ein stabilisierender Faktor bleibt das Kfz-Gewerbe. Mit einem Geschäftsklimaindex von 117 Punkten liegt es weiterhin im positiven Bereich.



 

Konjunkturumfrage April 2026: Zur wirtschaftlichen Situation des Berliner Handwerks

Hier finden Sie die ausführliche Auswertung der Konjunkturumfrage: