Blick auf Berlin aus der Vogelperspektive, viele Dächer haben eine PV-Anlage
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"Ein Stromausfall kann für viele handwerkliche Betriebe einen Totalausfall zur Folge haben."

So schützt Sie eine PV-Anlage vor Stromausfällen | HANDWERK IN BERLIN 2026 - 2Wenn das Licht ausgeht

Wie sich Handwerksbetriebe mit einer PV-Anlage gegen Stromausfälle absichern können

Ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Südwesten Berlins hat Anfang 2026 den längsten Stromausfall der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Rund 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe waren teils tagelang ohne Strom. Wie können sich Betriebe gegen Vorfälle wie diese schützen?

Der mehrtägige Blackout hat schlagartig vor Augen geführt, wie verletzlich die Energieinfrastruktur sein kann. Was für viele wie ein abstrakt-theoretisches Szenario klingt, kann schnell Realität werden: Störungen durch Sabotage, technische Defekte oder Cyberangriffe können kurzfristig enorme betriebliche Auswirkungen entfalten.

Totalausfall möglich

„Ein Stromausfall kann für viele handwerkliche Betriebe einen Totalausfall zur Folge haben", erklärt Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. Wenn Kassensysteme, Beleuchtung, elektronische Türsysteme und Kommunikation gleichzeitig ausfallen, komme der Betrieb in Werkstätten und Ladengeschäften häufig komplett zum Stillstand. Umsätze brechen weg, während laufende Kosten weiter anfallen – bei mehrtägigen Ausfällen könnten daraus durchaus existenzielle Risiken entstehen.

Daniel Kuchenbecker vom Solarzentrum Berlin plädiert dafür, sich als Betrieb vorzubereiten, auch wenn das deutsche Stromnetz im Normalfall sehr zuverlässig sei. Photovoltaik-Anlagen könnten Betriebe bei einem Stromausfall auffangen und seien auch darüber hinaus eine interessante Investition. Mit ihnen können Betriebe einen Beitrag zur Energiewende leisten, Stromkosten sparen und überschüssigen Strom ins Netz einspeisen.

Notstrom versus Ersatzstrom

Wenn die PV-Anlage aber auch einen Stromausfall abfangen soll, muss sie technisch besonders ausgestattet sein – eine normale Anlage würde sich bei einem Stromausfall aus Sicherheitsgründen einfach automatisch abschalten.

Um Ausfälle abzufedern, gibt es zwei Konzepte: Notstrom versorgt wichtige einzelne Verbraucher wie Licht, Server oder Kühlgeräte weiter. Häufig erkennbar an besonders gekennzeichneten Steckdosen. Der Strom kommt aus einem eigenen Batteriespeicher, der ausschließlich für die Notstromversorgung vorgehalten wird. Ein Nachladen über die PV-Anlage ist während des Notstrombetriebs aber nicht möglich.

Ersatzstrom hingegen trennt das Gebäude bei einem Stromausfall automatisch vom öffentlichen Netz. Er versorgt alle Verbraucher aus dem Batteriespeicher sofort weiter. Dafür braucht die PV-Anlage einen ersatzstromfähigen Wechselrichter, eine Netzumschalteinrichtung sowie einen geeigneten Speicher. Die PV-Anlage kann weiterlaufen und den Speicher nachladen. Dazu müssen Wechselrichter und Speicher aber speziell für die solare Nachladung ausgerichtet sein. Der technische Aufwand und die Kosten sind deutlich höher. Deshalb lohnt sich Ersatzstrom dort, wo die durchgängige Versorgung zwingend benötigt wird.

Individuelle Entscheidung

„Welche Lösung die richtige ist, hängt stark von der Art des Gewerbes ab“, sagt Kuchenbecker. Ein Friseursalon hat andere Anforderungen als eine Fleischerei oder ein Metallbaubetrieb. Bevor man investiert, sollte man also die Stromanforderungen an das eigene Unternehmen intensiv prüfen.

Am einfachsten ist es, Not- oder Ersatzstrom direkt bei der Planung einer PV-Anlage mitzudenken. Seit Anfang 2023 gilt in Berlin die Solarpflicht; bei Neubauten und bestimmten Dachsanierungen ist eine PV-Anlage ohnehin Pflicht. Aber auch, wenn sie bereits installiert ist, ist eine Nachrüstung theoretisch möglich.

Die Handwerkskammer Berlin berät Sie gerne dabei, welche Lösung zu Ihrem Betrieb passt – und welche Fördermöglichkeiten Sie dabei nutzen können.

Text: Helena Golz



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