Glanzmoment fürs Berliner Handwerk: 398 neue Meisterinnen und Meister aus 22 Gewerken feiern im Friedrichstadt-Palast ihren Erfolg.
Meisterfeier 2026 im Friedrichstadt-Palast | HANDWERK IN BERLIN 2026 - 2Ein Tag, der dem Handwerk gehört
Handwerkskammer Berlin ehrt 398 neue Meisterinnen und Meister
Feierliche Beleuchtung taucht den Friedrichstadt-Palast in warmes Licht. Dann ziehen sie in den Saal ein: die Meisterinnen und Meister des Jahrgangs 2025. Dort, wo sonst internationale Produktionen über die große Showbühne laufen, stehen an diesem Tag diejenigen im Mittelpunkt, die Berlin Tag für Tag mitgestalten: die bauen, reparieren und schweißen, die backen, schneiden und gestalten – die neuen Meisterinnen und Meister des Berliner Handwerks.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, gratulierte herzlich und stellte gleich zu Beginn seiner Laudatio klar: „Ein Meister ist mindestens genauso wichtig wie ein Master.“ Berlin sei eine Stadt der Ideen, der Innovation und des ständigen Wandels – aber all das wäre nichts ohne das Fundament, auf dem unsere Stadt steht: das Handwerk. „Ohne Sie würde es an vielen Stellen in dieser Stadt nicht laufen“, betonte Wegner unter großem Applaus.
Ohne Handwerk würde diese Stadt sehr schnell stillstehen
Markus Straube, Vizepräsident der Handwerkskammer Berlin
Dieser 31. Mai ist ein Tag voller Stolz, Erleichterung und Aufbruchsstimmung für die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen. Ein Tag, an dem sichtbar wird, was im Alltag oft verborgen bleibt: wie viel Disziplin und Durchhaltevermögen hinter einem Meistertitel stehen. Auch Markus Straube, Vizepräsident der Handwerkskammer Berlin, fand Worte, die vielen im Saal aus dem Herzen sprachen: „Sie haben mit dem Meisterbrief nicht einfach nur einen neuen Titel erworben. Der Meisterabschluss bedeutet so viel mehr. Er steht für das, was oft unsichtbar bleibt und doch alles trägt: Konzentration, Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein.“ Die Zukunft liege dabei nicht in einem akademischen Elfenbeinturm. Handwerk sei immer ein Dienst am Menschen und an der Gesellschaft. „Ohne Handwerk würde diese Stadt sehr schnell stillstehen und gar nichts mehr passieren. Und ohne Sie würde bald auch das Handwerk stillstehen“, betonte Markus Straube. Der Meisterbrief sei kein Schlusspunkt, sondern der Beginn spannender neuer Wege im Handwerk.
Der Meistertitel steht für unternehmerischen Mut
Vicki Thiemann. Die Vertriebsleiterin Business Banking Berliner Volksbank
Als die Namen der Meisterinnen und Meister aufgerufen werden, richtet sich der Blick des ganzen Saals auf die Menschen, die das Berliner Handwerk in die Zukunft tragen. Aus den unterschiedlichsten Gewerken kommen sie: Elektrotechnikerinnen, Tischler, Friseurinnen, Kraftfahrzeugtechnikerinnen, Konditoren, Dachdecker sowie Installateurinnen und Heizungsbauer. Manche tragen festliche Kleidung, andere präsentieren mit Stolz ihre Berufskleidung. Gemeinsam ist ihnen der Moment, in dem sie ihre Medaillen entgegennehmen – begleitet von Applaus, leuchtenden Augen und dem Wissen: Das hier haben sie sich verdient. „Der Meistertitel steht für unternehmerischen Mut“, sagte Vicki Thiemann. Die Vertriebsleiterin Business Banking Berliner Volksbank gratulierte ebenfalls herzlich. „Ihr Abschluss ist ein klares Statement dafür, dass Sie etwas können und dass Sie etwas bewegen wollen“, betonte sie in ihrer Ansprache. Die Feier im Friedrichstadt-Palast ist keine reine Ehrung von Prüfungsleistungen. Sie ist eine Verneigung vor Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen – für ihr Gewerk, für ihre Betriebe und für die nächste Generation im Handwerk.
Zwischen rhythmischer Musik der Perkussionsgruppe BÄM!, strahlenden Gesichtern und dem Glanz des Palastes entsteht an diesem Tag ein starkes Gefühl von Gemeinschaft. Dieser Meisterjahrgang bringt nicht nur exzellentes Können mit. Er bringt Leidenschaft, Mut und Zukunftswillen auf die Bühne. Und genau deshalb passt kaum ein Ort besser zu diesem Fest als der Friedrichstadt-Palast. Denn für einen Tag gehört die große Bühne ganz dem Handwerk.
Text: Elke Sarkandy
Über Umwege zur eigenen Bäckerei
Wenn man Bäckermeisterin Katrin Knopp nach ihrem Lebensweg fragt, fragt sie lachend zurück: „Haben Sie ein bisschen Zeit mitgebracht?“ Ihr Werdegang sei alles andere als gradlinig – doch jeder einzelne Schritt habe sie dorthin geführt, wo sie heute ist.
Studium der Theologie und Germanistik
Die 40-Jährige leitet die Bio-Bäckerei SoLuna in Kreuzberg, die für ihre kräftigen Roggen-Rundlinge und Sauerteigcroissants bekannt ist. Dabei studierte sie nach der Schule zunächst Theologie und Germanistik – thematisch weit entfernt von Teig, Ofen und Mehl. „Ich wusste aber eigentlich nicht so richtig, was ich damit anfangen sollte“, erzählt sie.
Während eines Auslandsaufenthalts wurde ihr dann klar, was ihr wirklich fehlte: deutsches Brot. „Das Erste, was ich nach meiner Rückkehr gemacht habe, war, ein Vollkornbrot zu essen“, erinnert sie sich. Sie wollte verstehen, was hinter dem Handwerk steckt, und machte ein Praktikum bei einer Bäckerei.
Vorbild gefunden
Danach stand ihr Entschluss, Bäckerin zu werden, fest. Ihre Ausbildung absolvierte sie bei der Bio-Bäckerei „Beumer & Lutum“ – und brach dafür ihr Studium ab, was in ihrer Familie nicht nur auf Zustimmung stieß.
Bäckermeisterin Katrin Knopp in ihrer Backstube
Doch Katrin Knopp blieb konsequent und schloss die Ausbildung in nur anderthalb Jahren ab. In der Berliner Bio-Bäcker-Pionierin, Christa Lutum, Mitgründerin von „Beumer & Lutum“, fand sie eine Mentorin und Unterstützerin. „Ich bin der festen Überzeugung, dass gerade Frauen Vorbilder in dieser Branche brauchen“, sagt Knopp.
Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie einige Jahre eng mit Lutum zusammen. Danach sammelte sie auch in anderen Bereichen Erfahrungen – in einer Konditorei, bei einem Großhandel und sogar in der Gebäudeautomation. „Diese Stationen haben mir unglaublich viel Wissen gebracht – in puncto Betriebsorganisation, Personalführung oder Fördermittelbeantragung.“
Meisterin mit eigener Bäckerei
Aber Katrin Knopp blieb immer mit Christa Lutum in Kontakt. Umso größer das Glück, als sich für die mittlerweile zweifache Mutter im Jahr 2024 die Chance ergab, Co-Geschäftsführerin von Lutum bei der Kreuzberger Bäckerei SoLuna zu werden, die Christa Lutum zuvor übernommen hatte. „Ich habe mich sofort in den Laden verliebt“, erzählt Knopp.
Geplant ist nun, dass sie die Bäckerei bald sogar allein führt. Deshalb machte sie im vergangenen Jahr die Meisterprüfung. „Ich hatte großen Respekt und habe lange gezögert“, sagt sie. „Denn ich halte den Meistertitel für wertvoller als einen akademischen Abschluss.“ Die Ausbildung sei intensiv gewesen: „Ich hatte kaum Freizeit, aber ich habe wertvolle Kontakte gewonnen. Wir haben bis heute einen Meister-Stammtisch, bei dem wir uns treffen.“
Vor der Prüfung sei sie nervös gewesen – doch sie meisterte sie ohne Probleme. Heute profitiert Knopp von ihrem bewegten Lebensweg und ihren Erfahrungen und ist dort angekommen, wo sie sein möchte: in ihrer (bald) eigenen Backstube, mit tollem Team und treuer Stammkundschaft. „Und dafür hat sich alles gelohnt“, sagt sie.
Text: Helena Golz
Vom Schrauber zum Meister in Rekordzeit
Man könnte meinen, Tobias Leiter hat es eilig: Die Schule beendete er mit 15 Jahren, seine Ausbildung schloss er mit 17 ab. Jetzt ist er 21 Jahre alt und hat schon den Meistertitel in der Tasche. Wenn der Kraftfahrzeugmechatroniker mit Schwerpunkt auf Nutzfahrzeuge ein Ziel vor Augen hat, fackelt er nicht lange. Seine Energie und Motivation haben ihn zu einem der jüngsten Meister Berlins gemacht.
Arbeiten im 24/7-Betrieb
Tobias Leiter arbeitet auf dem Betriebshof der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in Britz. Schon sein Großvater war Kfz-Mechaniker bei der BVG und Tobias Leiter, der auch privat gerne an Fahrzeugen schraubt, wurde in der Schulzeit schnell klar, dass auch er Lust auf eine handwerkliche Tätigkeit hat. Er machte ein Praktikum bei der BVG und entschied sich dann für die Ausbildung auf dem Betriebshof. „Die Arbeit geht hier nie aus“, erzählt er. 24 Stunden, sieben Tage in der Woche reparieren die Angestellten im Schichtbetrieb in der riesigen Werkstatt die gelben BVG-Busse.
„Kein Tag ist wie der andere“, sagt Tobias Leiter. Es gebe eine große Masse an Fahrzeugtypen und Marken, die er repariere und die jeweilige Suche nach der Fehlerquelle – gerade bei den Elektrobussen – mache die Arbeit spannend. „Da kann man sein Köpfchen einsetzen.“
Anspruchsvoller Weg zum Meister
Kraftfahrzeugtechnikermeister Tobias Leiter vor einem der gelben BVG-Busse, die er repariert
Die BVG unterstützte ihn bei seinem Vorhaben, die Meisterausbildung zu absolvieren, konnte ihn aber aufgrund von Personalengpässen nicht aus dem Schichtbetrieb entlassen. Deshalb arbeitete er für die Dauer der Meisterausbildung – zweieinhalb Jahre lang – Vollzeit im Schichtbetrieb in Britz und besuchte abends die Meisterschule in Kreuzberg. „Von 24 Stunden war ich sieben Stunden am Tag zuhause, da musste ich aber schlafen“, erzählt der 21-Jährige und muss rückblickend fast lachen. Die Zeit sei schon sehr anspruchsvoll gewesen. Doch: „Ich hatte mir ein Ziel gesetzt und dann ziehe ich das auch durch.“
Stolz auf das Erreichte
Die Meisterprüfung bestand er mit Bravour; ganz nebenbei machte er noch seinen Lkw-Führerschein, um die großen Busse, die er repariert, auch fahren zu können. Vor allem mit Stolz blickt Tobias Leiter auf seinen bisherigen Lebensweg und den Meistertitel. Er sei glücklich, dass er durchgehalten habe. „Ich bin jetzt eigentlich alles, was man in meinem Beruf sein kann“, sagt er.
Im Betrieb genieße er nun mehr Vertrauen. „Manchmal stellen mir Kollegen Fragen, die vom Alter her mein Vater sein könnten.“ Der Meisterabschluss habe ihn technisch und betriebswirtschaftlich enorm weitergebracht. Wichtig ist ihm, die Erkenntnisse jetzt auch umsetzen zu können.
Die BVG eröffnet bald neue Betriebshöfe. Tobias Leiter würde dort gerne eine Stelle als Meister besetzen. Denn, auch wenn er sich mit dem Meister selbstständig machen und einen eigenen Betrieb gründen könnte, merkt man, dass sein Herz an den großen, gelben Bussen hängt.
Text: Helena Golz