Gute Integration braucht mehr als Arbeit.Sprache, Wohnen, Integration

Damit internationale Fachkräfte und Auszubildende in Berlin langfristig Fuß fassen, braucht es: gezielte Sprachförderung, bezahlbaren Wohnraum und verlässliche Integrationsangebote. Betriebe übernehmen bereits viel Verantwortung – doch ohne passende Rahmenbedingungen, zentrale Anlaufstellen, neue Wohnkonzepte und weniger Bürokratie stößt Integration schnell an ihre Grenzen.

Portraitaufnahme eines lächelnden Stahlbetonbauerazubis im weißen Schutzhelm
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Rahmenbedingungen für eine langfristig erfolgreiche Integration gewährleisten

Nach der Ankunft in Berlin ist es wichtig, internationale Fachkräfte und Auszubildende durch gezielte Angebote zur Sprachförderung, Wohnraumversorgung und Integration zu unterstützen, um eine langfristige Bindung und Integration in ihr Arbeits- und Lebensumfeld zu ermöglichen. Viele Betriebe engagieren sich mit kreativen Ansätzen und entwickeln Ideen, um Sprache, Wohnraumsuche und Integration zu fördern. Dazu zählt die Beschaffung und das Angebot von mehrsprachiger Literatur im Betrieb, die Nutzung und betriebsinterne Kommunikation über Sprach-Apps, der Einsatz von mehrsprachigen (Führungs-) Teams, finanzielle Unterstützung beim Wohnen sowie die Gewährung von Flexibilität für Lernphasen und Integrationsangebote am Abend. Diese Beispiele verdeutlichen einmal mehr, dass die Betriebe bereits eine große Verantwortung für gelingende Integration übernehmen.

Darüber hinaus sind jedoch auch entsprechende Rahmenbedingungen notwendig, um eine langfristig erfolgreiche Integration zu gewährleisten. Großer Handlungsbedarf besteht insbesondere beim Wohnen, denn ohne bezahlbaren Wohnraum ist Integration kaum möglich. In Kombination mit Sprachschwierigkeiten und langen Pendelzeiten können die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Wohnraumsuche schnell zu Überforderung führen - bis hin zum vorzeitigen Abbruch der Beschäftigung. Zudem entsprechen die Erwartungen an die jeweilige andere Seite oftmals nicht der Realität, insbesondere im Hinblick auf die vorhandenen Sprachkenntnisse und das Integrationstempo. Dies kann ebenfalls schnell zu Frustration und Entmutigung führen.



Zentrale Informationsstelle mit Serviceangeboten zum Ankommen, Leben und Arbeiten in Berlin schaffen

Um internationale Fachkräfte und Auszubildende bei der Integration zu unterstützen, braucht es eine zentrale Anlaufstelle, die alle relevanten Informationen, Dienstleistungen und Unterstützungsangebote bündelt und gezielt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingeht - von der Information über Sprachangebote bis hin zur Beantwortung von Fragen rund um das Thema Wohnen und sozialer Integration.

Darüber hinaus könnte eine solche Stelle berufsspezifische Fragen beantworten und so eine umfassende Orientierung für internationale Fachkräfte und Auszubildende bieten.

Ein Vorbild für ein solches Modell könnte das „Nova Education Center Berlin“ sein. Als unabhängige Agentur erbringt das „Nova Education Center“ Dienstleistungen und Serviceangebote bei der Vermittlung und Weiterbildung von ausländischen Studenten in Zusammenarbeit mit Bildungsträgern wie Universitäten, Hochschulen. Dabei reicht das Angebot von der Beratung zur Studienwahl bis hin zur Begleitung bei praktischen Fragen wie dem Zugang zu Sprachkursen oder der Wohnungssuche.



Handwerk bei der Schaffung von kostengünstigem Wohnraum einbinden und gemeinsames Wohnen für internationale Fachkräfte und Auszubildende fördern

Bezahlbare WG-Zimmer oder kleine Wohnungen sind in Berlin zunehmend schwer zu finden. Während beispielsweise Studierenden Wohnheimplätze zur Verfügung stehen, bleibt Auszubildenden oft nur die Option, sich auf dem freien Wohnungsmarkt mit anderen Wohnungssuchenden um bezahlbaren Wohnraum zu bemühen. Gerade junge Talente aus dem Ausland sollten nicht bei ihrer Entscheidung für den Wohnort Berlin aufgrund fehlender Wohnmöglichkeiten eingeschränkt werden.

Ein erhebliches Potenzial liegt in derzeit ungenutzten Plattenbauten, die durch geeignete Maßnahmen wieder nutzbar gemacht werden könnten. In enger Zusammenarbeit mit dem Handwerk können diese Gebäude saniert und in kleine, kostengünstige Wohneinheiten umgewandelt werden. Dadurch könnten neue, bezahlbare Wohnräume geschaffen und zugleich die regionale Bauwirtschaft gestärkt werden.

Um die Integration von internationale Fachkräfte zu erleichtern, sollten zudem auch Wohnangebote für internationale Fachkräfte und das Azubi-Wohnen gezielt verknüpft werden. Wohnformen, die beide Zielgruppen zusammenbringen, erleichtern nicht nur das Ankommen in der Stadt, sondern fördern auch den Spracherwerb und den kulturellen Austausch.

Beschäftigtenwohnen muss insgesamt einen größeren Stellenwert in der Berliner Stadtentwicklung einnehmen, um bezahlbaren Wohnraum in Nähe des Arbeitsplatzes zu schaffen und die Attraktivität des Standort Berlins für Fachkräfte und Auszubildende aus dem Ausland zu erhöhen.



Englischsprachiges Angebot und Digitalisierung in Betrieben und in der Verwaltung vorantreiben

Internationale Fachkräfte und Auszubildende stoßen in Berlin zu oft auf Sprach- und Bürokratiehürden.

Um eine bessere Integration zu ermöglichen, sollte das englischsprachige Angebot in Betrieben und in der Verwaltung ausgebaut und verwaltungs- sowie behördenübergreifend digitalisiert werden.

Alle zentralen Behördengänge, darunter Anmeldung, Steuer, Gewerbeanmeldung und Visumsbeantragung, sollten vollständig digital und auf Englisch verfügbar sein. Unternehmen sollten die Möglichkeit erhalten, Arbeitsvisa digital und mehrsprachig zu beantragen, um bürokratische Hürden zu minimieren. Zudem sollten digitale Prozesse zur Anmeldung und Leistungsbeantragung (z.B. Kindergeld) beschleunigt werden, um die Attraktivität Berlins für Fachkräfte und Auszubildende aus dem Ausland zu steigern.

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Wohnräume in der Stadt schaffen

Bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende wird dringend benötigt. Daher ist es wichtig, gleichwertige Angebote für Auszubildende und Studierende auch in dieser Hinsicht herzustellen. Eine Strategie ist es, das sogenannte „Azubiwohnen“ so zu gestalten, dass möglichst im Bestand Wohnraum geschaffen wird und zwar in der Nähe der Betriebsstätten.
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