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Zuschüsse vom Land Berlin für Unternehmen - Förderung kommt an!

Berliner Handwerksbetriebe können über das Förderprogramm der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales finanzielle Unterstützung für die Ausbildung erhalten. Hier finden Sie Informationen zu Unternehmen, die das Förderprogramm in Anspruch genommen haben.

Förderung kommt an!

"Geflüchtete sind eine große Bereicherung für den Betrieb" (Plickert Glaserei-Betriebe GmbH)

Das Thema Ausbildung spielt bei der Plickert Glaserei-Betriebe GmbH immer schon eine große Rolle. Auch bei der Ausbildung von Geflüchteten nimmt das Unternehmen aus Berlin-Reinickendorf aktuell eine Vorreiterrolle ein.

Was für eine Bereicherung die Geflüchteten für die Plickert Glaserei-Betriebe GmbH darstellen, hat Geschäftsführer Detlev Kasten spätestens dann gemerkt, als seine Mitarbeiter einmal auf einer Baustelle beschäftigt waren, auf der ausschließlich Englisch gesprochen wurde. Die meisten Kollegen taten sich schwer. Als Einziger war Mouhamed Tanko des Englischen mächtig, ein Flüchtling aus dem Niger, der nun kurzerhand die Rolle des Dolmetschers übernahm.

Die Glaserei Plickert zählt zu den Handwerksbetrieben in Berlin, die sich intensiv um die Ausbildung von Geflüchteten bemühen. Der 23-Jährige Manar Alkojah aus Syrien hat gerade frisch seine Lehre bei Plickert angefangen. Er ist einer von insgesamt 15 Auszubildenden in der Glaserei. Nach einem erfolgreichen Praktikum im Betrieb wurde er gefragt, ob er sich nicht auch eine Ausbildung vorstellen könnte. „Das ist eine große Chance für mich“ sagt er. Seit vier Jahren lebt Manar Alkojah in Deutschland, zuvor hatte er auch schon in der Türkei als Glaser gearbeitet. „Mich fasziniert daran, dass man einerseits ordentlich anpacken muss, es andererseits aber ein sehr zerbrechlicher Werkstoff ist“, sagt er.

Geschäftsführer Detlev Kasten mit Azubi Manar Alkojah
© Foto: Philip Häfner
Geschäftsführer Detlev Kasten mit Azubi Manar Alkojah

Gelebte Inklusion (Ines Pavlou, Amitola Familiencafé)

Das Amitola Familiencafé bildet seit 10 Jahren erfolgreich lernbehinderte Jugendliche und Jugendliche ohne Schulabschluss aus und kann dafür Zuschüsse aus dem Programm zur Förderung der Berufsausbildung im Land Berlin (FBB) nutzen.

Die zuständige Ausbilderin verfügt über eine sonderpädagogische Zusatzqualifikation. "Wir sind für die jungen Menschen da, die anderswo keine Chance haben. Bei uns können lernschwache und behinderte Menschen eine Berufsausbildung absolvieren. Die meisten von ihnen finden am Ende auch einen Job am ersten Arbeitsmarkt“, sagt die Inhaberin Ines Pavlou.

Amitola beschäftigt 11 Mitarbeiter, von denen vier eine Ausbildung in den Berufen Fachkraft im Gastgewerbe und Verkäufer/in absolvieren. Das Unternehmen verkauft neue und gebrauchte Kinderbekleidung und verbindet dies mit einem Cafébetrieb. Daneben werden auch Kurse, Seminare und Workshops für Kinder und Eltern angeboten.

Das Unternehmen erhielt 2016 als Anerkennung seiner Integrationsarbeit im Rahmen des Wettbewerbes „Berlins beste Ausbildungsbetriebe“ den Sonderpreis für besonderes Engagement und wurde 2015 mit dem Berliner Inklusionspreis ausgezeichnet.

Ines Pavlou mit den Mitarbeitern und Auszubildenden des Amitola Familiencafés.
Ines Pavlou
Ines Pavlou mit den Mitarbeitern und Auszubildenden des Amitola Familiencafés.

Die Berliner Nacht schmeckt nach Kaffee (BGM Berliner Getränkemanufaktur GmbH)

Michael Schwab, Gründer der Berliner Getränkemanufaktur, bildet in seiner Produktionshalle in Berlin-Moabit zwei Azubis aus. Nicht ganz alltäglich daran: Auch eine junge Frau erlernt das Brauerund Mälzer-Handwerk. „Warum sollen nicht auch Frauen echte Bier-Experten werden? Ich kann das nur unterstützen“, so Schwab.

Es ist nicht die erste Auszubildende, die bei Schwab in diesen Beruf startet, viele Brauerinnen gibt es jedoch noch nicht in Berlin. Seit Kurzem nutzt der Unternehmer eine Förderung des Landes dafür, dass er in Kooperation mit Partnern wie der Weyermann Malzfabrik Bamberg eine Frau in einem männertypischen Beruf ausbildet. „Darauf haben mich die Ausbildungsberater der Handwerkskammer aufmerksam gemacht“, sagt er.
Sein eigenes, ursprüngliches Bier zu brauen, davon hat Schwab schon geträumt, als er an der TU Berlin Brauerei- und Getränketechnologie studierte. Er machte sich selbstständig, als von der Begeisterung für handwerklich gebraute Biere noch nicht viel zu spüren war. Heute stellt er mit zwei Mitarbeitern und zwei Azubis rund 20 Biere her, darunter das klassische „Bellevue-Pils“, Starkbiere wie das „Berliner Blut" oder die „Berliner Nacht“. Letzteres ist schwarz, intensiv, schmeckt nach Kaffee und dunkler Schokolade. Als Einer von Zweien braut er das alte Sauerbier Berliner Weiße, die zum regional-kulturellen Erbe zählt.

Teamfoto der BGM Berliner Getraenkemanufaktur GmbH (brewbaker).
Schwab / BGM Berliner Getränkemanufaktur GmbH
Teamfoto der BGM Berliner Getraenkemanufaktur GmbH (brewbaker).

Azubi-Projekte motivieren (Klüter Elektromontagen GmbH)

Auch als Ausbilder hat die Klüter Elektromontagen GmbH einen guten Namen. Seinen Azubis vermittelt das Unternehmen die vorgeschriebenen Kenntnisse und Fähigkeiten im Verbund mit dem Bildungsträger QE&U – und nutzt dafür einen Zuschuss aus dem Programm Förderung der Berufsausbildung im Land Berlin.

So richtig können sich Jugendliche nicht vorstellen, was ein Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik macht. Dass wir auf Baustellen Elektroleitungen legen, wissen sie noch, dass aber auch Datentechnik, Multimedia, Energiemanagement oder Mess- und Regelungstechnik dazugehören, ist vielen neu. Deshalb bieten wir Praktika an – und finden so unsere Azubis“, sagt Stephan Klüter, Chef der Klüter Elektromontagen GmbH. Leichter sei das nicht geworden in den vergangenen Jahren, dafür engagiere sich das Unternehmen mehr in der Ausbildung.

Ausbildungsleiter Daniel Klein erklärt, wie das konkret aussieht: „Wir unterstützen Leistungsschwächere. Wer in einem Fach eine Vier hat, egal in welchem, der muss zur Nachhilfe. Die schließt sich an den Arbeitstag im Betrieb an, also will jeder schnell auf eine bessere Note kommen – die bedeutet nämlich auch mehr Freizeit.“

Ausflug am Azubi-Tag
Im Juni gab es im Betrieb erstmals einen Azubi-Tag, an dem über gemeinsame Projekte und mögliche Prämien diskutiert wurde. „Den Azubi-Tag wollen wir künftig zwei Mal im Jahr organisieren und dabei auch ein Kraftwerk oder einen Tagebau besuchen oder gemeinsam Kanu fahren“, erzählt Daniel Klein. Er selbst hat in einem Industriebetrieb gelernt, wechselte dann zu Klüter Elektromontagen und absolvierte vor drei Jahren berufsbegleitend die Meisterausbildung im Handwerk.  

Der Betrieb will seinen Azubis mehr Verantwortung übergeben und erarbeitet mit ihnen gemeinsam künftige Azubi-Projekte. Das können komplette Wohnungen sein, in denen im Auftrag einer Wohnungsgesellschaft sämtliche Elektroanlagen erneuert werden sollen. Planung, Materialbestellung, Installation und Abrechnung liegen dann in den Händen der Lehrlinge. „Natürlich motiviert es sie, wenn es für hervorragende Arbeit eine Prämie gibt. Deshalb sprechen wir gerade über Kriterien wie Pünktlichkeit, sich an- und abmelden oder Leistungen in der Berufsschule“, so Ausbildungsleiter Klein.

Gute Erfahrungen im Verbund
Das Unternehmen besteht seit 1976, es beschäftigt heute 85 Mitarbeiter und 16 Azubis, vier davon im ersten Lehrjahr. Seit Jahren bildet das Unternehmen im Verbund mit der QE&U Qualifizierungsgesellschaft Energie- und Umwelttechnik aus und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Für diese Verbundausbildung erhält der Betrieb übrigens Unterstützung aus dem Programm Förderung der Berufsausbildung im Land Berlin (FBB).

„Woher ein Azubi kommt, spielt nie eine Rolle", erklärt Stephan Klüter. Im Gegenteil, nach seinen Erfahrungen würden sich Jugendliche mit türkischen, osteuropäischen, spanischen oder anderen Wurzeln oft mehr anstrengen und im Betrieb integrieren wollen. Stephan Klüter leitet das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater, Seniorchef Hermann Klüter, der es vor fast vier Jahrzehnten in Berlin-Wedding mitgegründet hat. Vor rund einem Jahr zog die Firma an einen neuen, größeren Standort in Reinickendorf.

Mesut Sahan wird im kommenden Frühjahr seine Ausbildung beenden: „Es macht Spaß, im Team zu arbeiten. Ich habe von den Gesellen viel gelernt, auch selbstständig zu arbeiten.“ Er war im Wohnungs- und Industriebau eingesetzt, fährt jetzt im Kundendienst mit. Bei einem Azubi-Projekt mitzumachen, findet er gut: „Das gibt uns die Chance, zu zeigen, was wir können.“

Altbausanierung in Neukölln - Ausbildungsleiter Daniel Klein mit Azubi Mesut Sahan auf der Baustelle.
Handwerkskammer Berlin
Altbausanierung in Neukölln - Ausbildungsleiter Daniel Klein mit Azubi Mesut Sahan auf der Baustelle.

Spachteln und schleifen, bis es perfekt aussieht (Autolackiererei und Karosseriebau Zabel, Inhaber Erdinc Zayim)

Fehlende Fachkräfte sind für Meister Erdinc Zayim kein Thema – er bildet aus, seit er den Betrieb vor 17 Jahren übernommen hat. Seit kurzem kann er dafür einen Zuschuss aus dem Programm Förderung der Berufsausbildung im Land Berlin (FBB) nutzen.

Zwölf Azubis haben bisher bei Erdinc Zayim einen Handwerksberuf erlernt. Bestnoten erwartet er nicht, wenn sich ein junger Mensch bewirbt. „Aber Interesse und den Willen zu lernen – das will ich sehen“, sagt der Chef der Firma Autolackiererei und Karosseriebau Zabel. Wer bestimmte Grundlagen nicht perfekt beherrscht, mit dem übt der Chef am Samstag, wenn mehr Zeit dafür ist. „Dann spachteln und schleifen wir oder treiben Bleche, bis es gut klappt, das ist Übungssache“, erzählt er.

Zweite Chance genutzt
Die Bewerbung von David S. sei nicht berauschend gewesen, dennoch wies ihn der Meister nicht ab. Eine Ausbildung hatte der 25-Jährige abgebrochen und lange gejobbt, bevor er sich bei Zayim bewarb. Seit einem Jahr komme er nie zu spät, fehle nicht und arbeite gut, freut sich der Chef über seinen Azubi. Jeder verdiene eine zweite Chance. Halbe Wochenenden über Autos gebeugt zu verbringen, ist für den 47-Jährigen normal: „Für alles, was einen Motor hat, schlägt mein Herz höher.“ Auch manchem Bus, Oldtimer oder Traktor hat er wieder Leben eingehaucht, ihren zerbeulten, verrosteten Oberflächen Glanz und Charme vergangener Zeiten zurückgegeben. Diese Leidenschaft fürs Handwerk kann der Meister auch seinen Azubis vermitteln. „Wir haben einen phantastischen Beruf, wir arbeiten mit Farben und Formen, bis ein altes oder ein Unfall-Fahrzeug wieder wie neu aussehen.“ Zayim engagiert sich im Vorstand der Karosserie- und Fahrzeugbauer-Innung, manchmal wundert er sich über Kollegen, die keinen Lehrling betreuen, aber gleichzeitig über Fachkräftemangel klagen.

Zwei Meisterbriefe an der Wand
Seine Eltern kamen in den 70er Jahren aus der Türkei, er wuchs in Berlin auf. Die erste Lehrstelle suchte er sich selbst, eine Autolackiererei. Nach einigen Monaten wechselte er in einen richtigen Ausbildungsbetrieb, zur Firma Krößner, dort habe er viel gelernt, so der Unternehmer. 1998 legte Zayim die Prüfung als Lackierer-Meister ab und übernahm wenig später die Firma Zabel. Die zweite Meisterprüfung absolvierte er 2002 im Karosserie- und Fahrzeugbauer-Handwerk. Als ihn die Handwerkskammer im vorigen Jahr fragte, ob er Azubi Florian L. übernehmen könnte, dessen Inhaber den Betrieb aufgab, sagte er zu. Dass es dafür finanzielle Unterstützung aus dem Programm Förderung der Berufsausbildung im Land Berlin (FBB) gibt, wenn der Azubi in seiner Werkstatt die Ausbildung beendet, wusste er da noch gar nicht.

Meister Erdinc Zayim (r.) und Lehrling David S. in der Reinickendorfer Werkstatt der Autolackiererei und Karosseriebau Zabel, Inhaber Erdinc Zayim
Handwerkskammer Berlin
Hat ein Herz für Autos und Azubis: Meister Erdinc Zayim (r.) und Lehrling David S. in der Reinickendorfer Werkstatt.



"Die Qualität unserer Ausbildung ist uns ein großes Anliegen" (Knick Elektronische Messgeräte GmbH & Co. KG)

Knick Elektronische Messgeräte ist ein Berliner Familienbetrieb mit einer 70jährigen Tradition. Das Unternehmen steht für Hightech-Lösungen in der Mess- und Regelungstechnik. Die Produkte werden weltweit unter anderem in der chemischen Industrie, im Anlagenbau und in der Industrieautomatisierung eingesetzt.

„Die Qualität unserer Ausbildung ist uns ein großes Anliegen“, sagt Antje Rohrlack, zuständig für die Betriebsorganisation. Knick ist mit seinen 165 Mitarbeitern ein klassischer Vertreter des deutschen Mittelstands. Für die Fachkräftesicherung investiert das Unternehmen viel in die Ausbildung in kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen. Dabei bewährt sich auch die Teilnahme an der Verbundausbildung, gefördert durch das „Förderung der Berufsausbildung (FBB)“ der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. So ermöglicht das Programm dem Unternehmen, auch in Berufen auszubilden, für die nicht alle nötigen technischen und personellen Voraussetzungen vorhanden sind. Im Beruf Industriemechaniker findet der erste Teil der Ausbildung beim Partnerunternehmen ABB Ausbildungszentrum Berlin statt. „Die Auszubildenden sind gut vorbereitet, wenn sie bei uns ankommen“, bestätigt Udo Tiedge, Leiter der Mechanischen Fertigung bei Knick. „Hier profitieren sie dann von der intensiven Betreuung. Wir achten darauf, dass alle Aufgaben, die unsere Azubis übernehmen, auch ihre Ausbildung fördern“, so Tiedge. Denn, davon ist auch Antje Rohrlack überzeugt: „Nur durch eine hohe Ausbildungsqualität können wir langfristig unseren Fachkräftebedarf sichern. Wir bilden grundsätzlich mit dem Ziel aus, die Auszubildenden zu übernehmen. Deshalb zeigen wir ihnen schon während der Ausbildung ihre Perspektiven auf. So weiß jeder, der bei uns anfängt, dass es sich lohnt.“

Trotz dieses hohen Anspruchs ist auch Knick mit abnehmenden Bewerberzahlen konfrontiert. So konnte in diesem Jahr nur einer der drei angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden. Große Unternehmen punkten bei den Kandidaten oft schon allein durch ihren Namen. Weniger bekannte Mittelständler wie Knick müssen im Wettbewerb um den Nachwuchs andere Schwerpunkte setzen: „Wir nutzen viele Wege, um auf uns aufmerksam zu machen: Stellenbörsen, Messen, Praktika – und immer wieder auch spezielle Projekte und Programme.“ sagt Antje Rohrlack, „Gute Erfahrungen haben wir zum Beispiel auch mit dem Studienaussteigerprojekt Yourturn der IHK Berlin und dem Technikjahr des VDI gemacht“. Entscheidend sei, dass die Auszubildenden den Anforderungen gewachsen sind und die nötige Motivation mitbringen. Denn dann gewinnen beide Seiten, bestätigt Sven Bergemann, Ausbilder im Bereich Lager und Logistik: „Wer bei uns die Ausbildung macht, ist in seinem Beruf sattelfest.“

Quelle (IHK-Mitgliedermagazin "Berliner Wirtschaft", Ausgabe 09/2015, Seite 46)





"Ausbildung hat bei uns Tradition" (Wolfgang Lüttgens GmbH & Co. KG)

Zum Start des Ausbildungsjahres 2014 besuchten der damalige Handwerkskammerpräsident Stephan Schwarz und die ehemalige Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, den Malereibetrieb Wolfgang Lüttgens GmbH.

Mit dem Unternehmenschef und Azubis sprachen sie dabei auch über ausbildungsbegleitende Fördermaßnahmen. Wolfgang Lüttgens bildet erfolgreich junge Migrantinnen und Migranten sowie Frauen in eher untypischen Berufen aus (Frauenanteil unter 20 %). Der Betrieb nutzt Mittel aus dem Landesprogramm zur Förderung der Berufsausbildung. Gerade haben dort zehn neue Azubis eine Lehre begonnen, darunter drei junge Frauen, die Malerin und Lackiererin werden. Insgesamt liegt der Anteil weiblicher Beschäftigter bei 22 %. Lüttgens beschäftigt 28 Lehrlinge, davon vier mit ausländischen Wurzeln, 50 Stammfachkräfte sowie zehn technische und kaufmännische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das Familienunternehmen besteht seit 1892, Wolfgang Lüttgens leitet es seit fast 15 Jahren. „Ausbildung hat bei uns Tradition. So sichern wir uns den Nachwuchs, der die spezifischen Anforderungen von Anfang an kennt. Ein Drittel unserer gewerblichen Beschäftigten sind ehemalige Lehrlinge“, sagt er. Allein 2012 haben fünf Azubis ihre Prüfungen bestanden.

Die Fördermaßnahmen kommen an, betonte Stefan Schwarz: „Sie sind gut geeignet, die Zahl der Ausbildungsplätze zu steigern und die Ausbildungsqualität zu verbessern.“

Dilek Kolat: „Ich appelliere an die Unternehmen, ihre Ausbildungsanstrengungen zu erhöhen, denn wer heute nicht ausbildet, hat morgen keine Fachkräfte. Die Richtlinienförderung bietet auch kleinen Unternehmen eine gute Unterstützung!“

Die ehemalige Senatorin Dilek Kolat warb dafür, dass Unternehmen sich bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze mehr an den tatsächlichen Fähigkeiten und Stärken der Jugendlichen orientieren, als nur nach Schulnoten zu selektieren. In Berlin gibt es immer noch viele Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen, auch wenn ein Teil der von den Unternehmen angebotenen Plätze unbesetzt bleiben.

Das landesfinanzierte Förderprogramm unterstützt betriebliche Ausbildungsverhältnisse. So wurden 2013 über 170 Ausbildungsverhältnisse (in Handwerk und Industrie) mit jungen Frauen in untypischen Ausbildungsberufen sowie über 900 Plätze in einer Verbundausbildung unterstützt.

Dilek Kolat (rechts) und Stephan Schwarz (links) im Charlottenburger Familienbetrieb Wolfgang Lüttgens GmbH & Co. KG.
Michael Brunner
Dilek Kolat (rechts) und Stephan Schwarz (links) im Charlottenburger Familienbetrieb Wolfgang Lüttgens GmbH & Co. KG.



"Wir bilden seit vielen Jahren Frauen aus“ (möbelle Tischlerkollektiv GmbH)

Wenn Mona Nasser Feierabend macht, ist sie immer ein bisschen stolz: auf das, was sie geschafft, und auf das, was sie wieder Neues gelernt hat. Die 22-Jährige macht eine Tischler-Ausbildung beim Tempelhofer Betrieb „Möbelle“. „Das ist genau das richtige für mich. Die Schule habe ich irgendwann gehasst, ich hatte auch einige private Probleme. Aber hier wächst mein Selbstbewusstsein mit jedem Tag.“

Bei Möbelle ist Mona Nasser nicht die einzige Frau. „Wir bilden seit vielen Jahren Frauen aus“, sagt Birgitt Gelfort, selbst Tischlerin und eine der drei Gesellschafter-Geschäftsführer von Möbelle. „Mädchen mit diesem Berufswunsch finden schwer eine Lehrstelle, viele Betriebe haben noch Vorbehalte gegen weibliche Bewerber. Deshalb ist es uns ein Anliegen, ihnen eine Chance zu geben.“ Zurzeit hat sie drei Lehrlinge: zwei Frauen und einen Mann.

Für die Ausbildung der beiden Frauen erhält Möbelle eine Förderung des Landes Berlin. „Wer Frauen in Berufen ausbildet, in denen ihr Anteil unter 20 Prozent liegt, bekommt für jeden weiblichen Lehrling einen Zuschuss von bis zu 7500 Euro“, sagt Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin und Leiter der Abteilung Bildung. „Wir würden auch ohne den Zuschuss Frauen nehmen, aber das Geld hat uns geholfen, drei statt nur zwei Lehrstellen anzubieten“, erklärt Birgitt Gelfort. Neben der Förderung für junge Frauen gibt es Förderungen für Betriebe, die benachteiligte Jugendliche oder auch alleinerziehende Frauen und Männer ausbilden. Unterstützt wird auch, wer Lehrlinge aus Betrieben übernimmt, die in Insolvenz gegangen sind oder stillgelegt wurden.

Bei Möbelle sind die Auszubildenden von Anfang an in die gesamte Planung und Herstellung miteinbezogen, von der ersten Besprechung bis zur Abgabe. In der Möbeltischlerei werden beispielsweise individuelle Büromöbel, Bücherregale für Liebhaber und Einzelstücke wie repräsentative Kanzleitresen gebaut. Die Lehrlinge erhalten also eine intensive klassische Ausbildung. Was in dem mittelständischen Unternehmen nicht vermittelt werden kann, etwa weil die allerneuesten Geräte fehlen, lernen die Azubis im Rahmen der Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) – ebenfalls finanziell unterstützt durch das Land Berlin. „Wir haben beispielsweise keine CNC-Maschine, die computergesteuert sägt oder bohrt. Wir machen noch alles mit Schablonen“, sagt Birgitt Gelfort. Deshalb seien die ÜLU-Kurse eine sinnvolle Ergänzung der Ausbildung.

„Hier sind die Fördergelder gut angelegt“, sagt die Berliner Abgeordnete Stefanie Remlinger (B90/Grüne). Als Sprecherin für berufliche Bildung in ihrer Partei hat sie den Betrieb gemeinsam mit Ulrich Wiegand besucht. „Die Azubis sind offensichtlich gut aufgehoben. Sehr schön auch, dass Möbelle sich um den weiblichen Nachwuchs kümmert.“

Mona Nasser (l.), Stefanie Remlinger (2. v.l.), Ulrich Wiegand (r.).
Völlering
Mona Nasser (l.), Stefanie Remlinger (2. v.l.), Ulrich Wiegand (r.).



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