Nachhaltigkeit | HANDWERK IN BERLIN 2026 - 3Mehr als ein gutes Bild
Wer die Studiotür der Hoffotografen in Prenzlauer Berg öffnet, merkt schnell, dass es hier nicht nur um gute Fotos, sondern auch um ein gutes Gefühl geht. Ihr Studio soll ein Safe Space sein, erzählen Inhaberin Christine Blohmann und Rosa Nußbaum bei unserem Betriebsbesuch. Also ein Ort, an dem sich alle willkommen und gut aufgehoben fühlen. Dieser Anspruch ist heute fester Teil des Profils der Hoffotografen.
Nachhaltigkeitscheck der Handwerkskammer absolviert!
„Die Hoffotografen“ setzen auf Nachhaltigkeit, soziales Engagement und Fotos mit Haltung
Die Geschichte des Studios reicht bis ins Jahr 1998 zurück. Zwischenzeitlich arbeiteten 17 Fotografinnen und Fotografen in dem Betrieb. Der ist nach vier Umzügen innerhalb Berlins heute im Kiez unweit des Arkonaplatzes angekommen. Christine Blohmann, die das Studio seit 2014 als Alleinunternehmerin führt, Rosa Nußbaum sowie zwei freie Mitarbeiterinnen bilden aktuell das Team. Spezialisiert haben sich die Hoffotografen mittlerweile vor allem auf Porträt- und Businessfotografie.
Die Fotografinnen empfangen ihre Kundinnen und Kunden in den eigenen Räumen, arbeiten aber auch mobil vor Ort. Damit Einsätze unkompliziert und auch allein gut machbar sind, haben sie ihr Equipment in den letzten Jahren auf leichtere, gut transportierbare Technik umgestellt.
Wir kommen auf jeden Fall viel herum, es wird also nie langweilig.
Rosa Nußbaum
Seit zwei Jahren ist sie Teil der Hoffotografen, in diesem Jahr hat sie ihre Ausbildung als Landesbeste abgeschlossen. Wenn es nach Christine Blohmann geht, soll Nußbaum den Betrieb in naher Zukunft übernehmen. Nach vielen Jahren als Vollzeit-Unternehmerin sei für sie der Punkt erreicht, an dem sie kürzertreten möchte. Dass der Alltag als Inhaberin nicht immer einfach ist, weiß Blohmann aus eigener Erfahrung: „Es war und ist schon teilweise ein Kampf.“ Aber einer, der sich lohne.
Klimafreundliche Geschäftsreisen und soziales Engagement
Die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens hat Christine Blohmann dabei nie aus den Augen verloren. Aus diesem Grund nahm sie nun auch am Nachhaltigkeitscheck der Handwerkskammer Berlin teil. Nachhaltigkeit zeigt sich bei den Hoffotografen bereits in vielen Bereichen: Für das Ausleuchten ihrer Fotokulissen verwenden sie seit längerem energieeffiziente Lampen. Geschäftsreisen erledigen sie mit dem Zug statt mit dem Flugzeug, beim gemeinsamen Mittagessen kommen regionale und vegane Gerichte auf den Tisch. Und ihre Fotoausrüstung kaufen sie ausschließlich bei Berliner Anbietern.
Der Nachhaltigkeitsgedanke setzt sich zudem in ihrem sozialen Engagement fort: Im Rahmen des Projekts „Hürdenspringer“ machen sie beispielsweise Bewerbungsbilder von Jugendlichen. Das Mentoring-Projekt der Stiftung Unionhilfswerk Berlin unterstützt Schülerinnen und Schüler, Geflüchtete und Auszubildende — etwa bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche oder beim Einstieg in die Berufswelt.
Auch mit Schülerpraktika und Betriebsbesuchen für Schulklassen möchten die Hoffotografen jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen.
Die Schülerinnen und Schüler bekommen dadurch einen neuen Blick auf die Berufswelt und sehen schon an Rosa und mir, wie viel Spaß ein Beruf machen kann und dass es viel mehr Berufsmöglichkeiten gibt, als sie vielleicht angenommen haben.
Christine Blohmann.
Für sie sei es wiederum schön zu erleben, wie sich junge Menschen innerhalb weniger Wochen weiterentwickeln und aufblühen können, wenn sie etwas finden, was ihnen Freude bereitet.
Frauen stärken
Darüber hinaus unterstützt das Studio einen Tagestreff für obdachlose Frauen. Frauen zu stärken, sei ohnehin ein zentraler Teil ihrer Arbeit, erzählen Christine Blohmann und Rosa Nußbaum. Über die Handwerkskammer Berlin kamen sie mit dem Kompetenzzentrum für Handwerkerinnen in Kontakt, für das sie bereits zahlreiche Frauen porträtiert haben. Auch an einem Buchprojekt über Frauen, die versuchte Femizide überlebt haben, sowie über Angehörige von Femizidopfern waren sie beteiligt.
Wir wollen einfach eine möglichst breite Gruppe von Menschen ansprechen — darunter auch FLINTA* und trans Personen.
Rosa Nußbaum
Mit Fotos lasse sich viel bewirken. Wer vor ihrer Kamera steht, soll sich dann auch wohl und sicher fühlen. Diese Haltung leben sie auch im Team: „Wir unterstützen uns gegenseitig und stecken unsere Energie nicht in Konflikte, sondern in die Arbeit und unsere Weiterentwicklung.“
Zu dieser Weiterentwicklung gehören regelmäßige Fortbildungen, etwa im Bereich Finanzen oder Buchhaltung. Künftig wollen „Die Hoffotografen“ ihr Angebot außerdem um Coachings zur Körpersprache erweitern. Die sollen Kundinnen und Kunden dabei unterstützen, sich vor der Kamera und im Alltag sicherer zu fühlen und bewusster aufzutreten.
Fotos und Text: Katja Reichgardt