Hände mit Bleistift an einer Konjunkturumfrage, Geschäftslage, Auftragsentwicklung, Preisentwicklung, Beschäftigungszahl
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Pressemitteilung vom 5. November 2026Konjunkturumfrage der Berliner Wirtschaft: Leichte Aufhellung der Geschäfte, aber keine Trendwende in Sicht

Konjunkturklima bleibt nahe der neutralen Marke – Erwartungen, Beschäftigung und Investitionen bleiben schwach

Die Berliner Konjunktur hellt sich leicht auf, doch von einem Aufschwung kann keine Rede sein. Der Konjunkturklimaindex steigt im Herbst 2026 um einen Punkt auf 101 Zähler. Er liegt jedoch vier Punkte unter dem Wert des Vorjahresherbstes und mehr als 20 Punkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Dies zeigen die Ergebnisse der repräsentativen Konjunkturumfrage von IHK Berlin und Handwerkskammer Berlin im Herbst unter mehr als 1.000 Unternehmen.

Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin: „Die Erwartungen für das kommende Winterhalbjahr sind düster. 34 Prozent der Berliner Handwerksbetriebe erwarten schlechtere und nur noch 16 Prozent bessere Geschäfte, die Skepsis hat seit dem Frühjahr sogar zugenommen. Die Unsicherheit darüber, welchen wirtschaftspolitischen Kurs die künftige Berliner Koalition einschlagen wird, lastet schwer auf den Geschäftserwartungen des Handwerks. Nicht zuletzt die Debatte zur Vergesellschaftung hat dazu beigetragen, dass das Bau- und Ausbauhandwerk seine Funktion als Konjunkturlokomotive eingebüßt hat. Der Konjunkturklimaindex des Handwerks liegt aktuell mit 97 Punkten unter dem Wert der Berliner Wirtschaft insgesamt. Hinzu kommt, dass steigende Kosten und rückläufige Aufträge vielen Betrieben die Planung von Personal und Investitionen erschweren. Gerade jetzt braucht das Handwerk verlässliche Rahmenbedingungen und ganz sicher keine zusätzlichen Belastungen durch die Politik.“

Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin IHK Berlin: „Unser Appell in die Koalitionsverhandlungen heißt Wirtschaft auf die Eins. Die aktuell besseren Geschäfte mögen zwar ein positives Signal sein, aber Aufschwung sieht anders aus. Kritische Warnzeichen sind vor allem die zurückhaltenden Beschäftigungs- und Investitionsplanungen. Beide sind aber entscheidend für Wachstum, Produktivität und wirtschaftliche Stabilität. Unternehmen brauchen Vertrauen in verlässliche Rahmenbedingungen: schnellere Verfahren, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Kosten und bessere Investitionsbedingungen. Jetzt müssen die echten Wachstumsbremsen wie Bürokratiebelastungen endlich gelöst werden. Die Berliner Wirtschaft ist Partner für ein lebenswertes, florierendes und soziales Berlin!“

Erwartungen trüben sich weiter ein

Der Blick nach vorn fällt deutlich skeptischer aus. Der Erwartungsindikator sinkt von minus drei Punkten im Frühsommer auf minus neun Punkte. Damit liegen die Erwartungen unter dem Niveau, das die Erholung der Geschäfte vermuten ließe.

Besonders deutlich ist der Rückgang im Dienstleistungssektor, der rund 80 Prozent der Berliner Wertschöpfung erbringt. Dort sinkt der Erwartungsindikator um elf Punkte auf minus sieben Punkte. Im Gastgewerbe fällt er auf minus 53 Punkte; ein solcher saisonaler Rückgang ist deutlich stärker als in den Vorjahren. Auch die Bauindustrie erwartet mit minus 16 Punkten eine schwache Entwicklung, obwohl der Tiefbau von öffentlichen Investitionen profitieren dürfte. Die Industrie blickt dagegen etwas zuversichtlicher auf die kommenden Monate.

Beschäftigung und Investitionen auf schwachem Niveau

Der Indikator für Personalplanungen liegt bei minus acht Punkten, nach minus vier Punkten im Frühsommer. Mehr Unternehmen planen mit Stellenabbau statt mit Neueinstellungen. Im langjährigen Durchschnitt liegt der Wert bei elf Punkten; vor der Coronakrise lag er zwischen 25 und 30 Punkten. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist in den vergangenen 24 Monaten bereits leicht zurückgegangen.

Investitionsaktivität auf Sechsjahrestief

Der Investitionsindikator (Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen) verharrt bei 13 Punkten und damit auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Im langjährigen Durchschnitt liegt er bei 21 Punkten. Unsichere Absatzperspektiven, hohe Kosten und schwer einschätzbare wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bremsen die Investitionsbereitschaft.

Branchen im Überblick

Industrie: Die Geschäftslage verbessert sich auf 14 Punkte. Steigende Exporte geben einzelnen Betrieben Auftrieb, eine breite Belebung zeichnet sich jedoch noch nicht ab.

Baugewerbe: Die Lage steigt auf elf Punkte, die Aussichten trüben sich aber weiter ein. Mehr Betriebe planen einen Personalabbau als einen Aufbau.

Handel: Die Lage verbessert sich von minus 25 auf minus 15 Punkte, bleibt aber negativ. Die schwache Konsumneigung belastet die Branche weiterhin. Der Personalsaldo liegt bei minus 19 Punkten.

Gastgewerbe: Die Lage verbessert sich von minus 36 auf minus 19 Punkte. Keines der befragten Unternehmen erwartet jedoch eine Verbesserung, mehr als die Hälfte rechnet mit schlechteren Geschäften.

Dienstleistungen: Die Geschäftslage steigt von zehn auf 17 Punkte. Besonders personennahe Dienstleister und Finanz- und Versicherungsdienstleister legen zu, während der Immobiliensektor nachgibt. Der Dienstleistungssektor erweist sich als vergleichsweise robust.

Handwerk: Die Lage verbessert sich von neun auf 15 Punkte, vor allem im Bauhauptgewerbe und im Kraftfahrzeuggewerbe. Die Erwartungen verschlechtern sich dagegen deutlich von minus acht auf minus 18 Punkte. Der Investitionsindikator geht um vier Punkte zurück.

Den gesamten Konjunkturbericht finden Sie   hier.

Risiken und Herausforderungen

Die größten Risiken für Berlins Unternehmen liegen zunehmend in strukturellen Belastungen und der schwachen Nachfrage. Mit 63 Prozent stehen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen an erster Stelle. Bürokratie, hohe Abgaben, langwierige Verfahren und fehlende Planungssicherheit bremsen Investitionen.

Die Sorge um Rohstoffpreise ist mit 29 Prozent deutlich zurückgegangen. Der Fachkräftemangel wird nur noch von 32 Prozent der Unternehmen als Risiko genannt, der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2010. Die Kammern sehen darin jedoch keine Entwarnung: Dies ist weniger ein Zeichen der Entspannung am Arbeitsmarkt als vielmehr eine Folge der schwachen Konjunktur.



Logoleiste IHK und Handwerkskammer Berlin

 

Der Berliner Konjunkturbericht

Die wirtschaftliche Lage Berlins im Herbst 2026

Den vollständigen Konjunkturbericht finden Sie hier.