Berliner Ausbildungsbilanz 2017/2018

Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin © Handwerkskammer Berlin/W. Rink

Pressemitteilung der Handwerkskammer Berlin vom 30. Oktober 2018

Lernen an der Werkbank oder im Büro statt in der Schule: Einige Tausend junge Berlinerinnen und Berliner haben in den vergangenen Wochen einen wichtigen Schritt in ihrem Berufsleben getan. Sie begannen ihre Ausbildung. Eine Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2017/18 zog heute Bernd Becking, Leiter der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit - gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg sowie der Industrie- und Handelskammer Berlin und der Handwerkskammer Berlin. Gastgeber der Pressekonferenz war der Briefdienstleister PIN Mail AG als anerkannter Ausbildungsbetrieb.

Von Oktober 2017 bis Ende September 2018 meldeten sich in Berlin insgesamt 22.082 Jugendliche bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit, um bei der Suche nach einen Ausbildungsplatz Unterstützung zu erhalten. Das waren 1.266 junge Bewerber mehr als im letzten Jahr. Die Zahl der beim Arbeitgeberservice der Arbeitsagenturen gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen stieg um 978 Stellen auf 15.829. Ende September waren 3.445 Bewerber unversorgt, 1.097 mehr als vor einem Jahr. 1.711 betriebliche Ausbildungsstellen waren noch unbesetzt. Das waren 514 mehr als im September 2017.

Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg zur aktuellen Situation auf dem Ausbildungsmarkt: „Die duale Ausbildung in Berlin zu stärken ist das Bemühen aller Partner. Erste Erfolge stellen sich ein: Immer mehr Jugendliche und Arbeitgeber suchen die Kooperation mit den Arbeitsagenturen. Das führt zu mehr Jugendlichen, die sich in der Jugendberufsagentur um eine Ausbildung bemühen, und mehr Ausbildungsstellen. Wir müssen jetzt die günstige Entwicklung fördern, indem die Rahmenbedingungen weiter optimiert werden. Dazu gehört, allen Jugendlichen frühzeitig schon in der Schule eine optimale Berufsorientierung zu bieten. Mit Blick auf den wachsenden Bedarf an Fachkräften unterstützen die Arbeitsagenturen gerne mit einem breiten Instrumentarium dort, wo die Voraussetzungen der Jugendlichen nicht optimal sind, aber Talent und Motivation stimmen. Mehr Bewerber und mehr Ausbildungsstellen müssen jetzt wieder zu mehr Ausbildungsverträgen führen.“

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB): „Der Bedarf an Fachkräften nimmt in Berlin wie in Brandenburg stark zu. Deshalb steht für viele Betriebe die duale Ausbildung ganz oben auf der Agenda. Doch immer mehr Unternehmen gelingt es nicht, motivierte junge Menschen für die angebotenen Plätze zu finden. Dabei setzen sie alle Hebel in Bewegung – mit Online-Bewerbungsverfahren, mit Praktika und mit höheren Ausbildungsvergütungen. Wir brauchen bei Beratung und Vermittlung Vorfahrt für betriebliche Ausbildung. Und wir müssen uns um die vielen unversorgten Jugendlichen kümmern. Es ist Aufgabe der Jugendberufsagentur, hier genau zu analysieren und geeignete Unterstützung möglich zu machen. Vor allem aber muss die Schulqualität besser werden, damit die fachlichen und sozialen Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber stimmen.“

Christian Hoßbach, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Berlin-Brandenburg: „Obwohl viele Betriebe Nachwuchs suchen, bleiben in Berlin jährlich mehrere Tausend Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Einer der Gründe ist eine besondere Form der Altersdiskriminierung, die wir in einigen Branchen beobachten. Hier werden Jugendliche mit Schulabschluss nicht als Auszubildende genommen - weil für sie die Regeln des Jugendarbeitsschutzes gelten. Dabei gelten etwa für Gastronomie und Schichtbetriebe ohnehin Ausnahmen. So werden aus egoistischen Motiven Jugendliche unter 18 in Warteschleifen geschickt und das Übergangssystem unnötig belastet. Das spiegelt sich auch im hohen Durchschnittsalter der Ausbildungsanfänger in Berlin.“

Alexander Fischer, Staatssekretär Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales: „Leider zeichnet sich auch in diesem Jahr wieder eine erhebliche Lücke zwischen vorhandenen Ausbildungsplätzen und versorgten Jugendlichen ab. Genau diese Differenz muss aufgehoben werden. Wir können es uns nicht leisten, junge Menschen nicht auszubilden! Diese Investition in die Zukunft des Arbeitsmarktes ist unabdingbar, wenn qualifizierte Beschäftigte nicht zur Mangelware werden sollen. Insbesondere kleine und mittlere Betriebe sind gefordert mehr auszubilden – auch mit Unterstützung. Der erfolgte Ausbau von Ausbildungsangeboten hat noch nicht dazu geführt, alle ausbildungswilligen jungen Menschen mit einer Lehrstelle zu versorgen. Will man die Schulabgänger nicht in eine Warteschleife schicken, müssen sich Unternehmen und Betriebe noch mehr engagieren und mit guten Ausbildungsbedingungen für sich werben. Das kann ein Erfolgsmodell für alle Beteiligten werden.“

Jörg Nolte, Geschäftsführer Wirtschaft und Politik der Industrie- und Handelskammer Berlin: „Mit einem Spitzenwert an gemeldeten Ausbildungsplätzen in diesem Jahr demonstriert die Berliner Wirtschaft ihren großen Einsatz für die duale Ausbildung. Trotz des Aufwuchses an Plätzen und Bewerbern ist auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen auf Rekordhoch. Jeder unbesetzte Platz ist eine fehlende Fachkraft und bereits heute bremst der Fachkräftemangel das Wirtschaftswachstum unserer Stadt. Jeder dritte Betrieb senkt seine Einstellungsvoraussetzungen, gibt leistungsschwächeren Schulabgängern eine Ausbildungschance und qualifiziert sie durch Nachhilfe nach. Damit Unterstützungssysteme und die Bemühungen der Unternehmen wirken, müssen bereits in der Schule und am Übergang ins Berufsleben die richtigen Weichen gestellt werden. Wirksame Berufsorientierung in allen Schulformen, die Steigerung der Schulqualität und eine Stärkung der Jugendberufsagentur sind dafür unerlässlich. Nicht zuletzt unterstützen wir die Reduzierung vollschulischer durch anschlussfähigere, betriebsintegrierte Übergänge in Ausbildung.“

Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin: „Das Berliner Handwerk bietet in mehr als 100 Berufen Jugendlichen den Einstieg in eine berufliche Karriere. Vom Augenoptiker, Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Tischler bis zur Zahntechnikerin – nie waren die beruflichen Perspektiven besser. Jugendliche, die noch für dieses Jahr einen Ausbildungsplatz suchen, haben nur noch wenige Tage Zeit“, so Ulrich Wiegand, Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin. „Ausbildungsangebote gibt es heute und morgen telefonisch unter (030) 259 03 555“, so Wiegand weiter.