Planung | Businessplan


Wer sich selbständig machen will, braucht zunächst eine erfolgversprechende Geschäftsidee. Aber die Idee allein reicht nicht aus. Für die Umsetzung in die Tat benötigen Sie einen Plan.

Die Regieanweisung, die die einzelnen Schritte des Gründungsvorhabens genau festlegt -   Ihr Businessplan - sollte erarbeitet werden.

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Inhalt und Form

Achten Sie bei der Erstellung Ihres Businessplanes auf Inhalt und Form.

  • Ein überzeugender Businessplan enthält alle für dieses Gründungsvorhaben relevanten Informationen.
  • Er verfügt über eine klare und übersichtliche Gliederung.
  • Der Text sollte vom Schreibstil gut lesbar, von der Wortwahl auch für Laien verständlich und auch von der Schriftgröße und dem Abstand der Zeilen optisch ansprechend sein.
    Tipp: Formulieren Sie konkrete Aussagen über Ihr Vorhaben und vermeiden Sie langatmige, allgemein gehaltene Betrachtungen.
  • Der Textteil eines Businessplanes wird ergänzt durch Planungsrechnungen über den Kapitalbedarf, die Finanzierung und die zukünftige Liquidität und Rentabilität des Unternehmens. Diese Planungen werden in der Regel als Tabellen beigefügt.
  • In den Anhang gehören beispielsweise ein tabellarischer Lebenslauf, Zeugnisse und ggf. weitere Detailinformationen zu Ihrer Gründung.
  • Das äußere Erscheinungsbild gestalten Sie am besten ordentlich, professionell und nicht zu bunt oder grafisch verspielt.

 

 

 

Gliederung

Finden Sie eine für die Beschreibung Ihres Gründungsvorhabens konsistente und stimmige Gliederung.

Häufig wird es möglich sein eine Mustergliederung, wie die Folgende, zu übernehmen oder sich doch zumindest stark daran zu orientieren. 

  1. Zusammenfassende kurze Beschreibung des Vorhabens und Vorstellung der Geschäftsidee
  2. Gründerperson/en
  3. Produkt | Dienstleistung | Tätigkeitsspektrum
  4. Kunden
  5. Konkurrenz
  6. Standort
  7. Marketing | Werbung
  8. Organisation | Mitarbeiter | Rechtsform
  9. Chancen | Risiken

Die Punkte 1. bis 9. bilden den Textteil Ihres Businessplans, dem die Planungsrechnungen folgen: 

  1. Kapitalbedarfsplan
  2. Finanzierungsplan
  3. Rentabilitätsvorschau
  4. Liquiditätsplan

    Anhang 

Selbstverständlich können Sie von diesem Gliederungsschema abweichen bzw. einzelne Gliederungspunkte auch zusammenfassen.

Hinweis zu den Planungsgrundlagen

Eine wichtige Motivation für die Gründung eines eigenen Unternehmens ist häufig der Wunsch, ein angemessenes bzw. höheres Einkommen zu erzielen.

Um dies auch tatsächlich zu erreichen, sollten Sie im Vorfeld der Existenzgründung sorgfältige Recherchen und Planungen anstellen:

Zum Kapitalbedarf:

  • Welche Investitionen sind zu tätigen?
  • Welche Betriebsmittel werden für die ersten Monate zur Deckung der laufenden Kosten benötigt?

Zur Kalkulation, Rentabilität und Liquidität:

  • Preiskalkulation | Welche Preise sind am Markt für welche Leistung zu erzielen und welchen Zeitraum benötigen Sie jeweils für einzelne Aufgaben? Welchen Stundenverrechnungssatz benötigen Sie für Ihre Arbeitsleistung?
  • Mit wie vielen Aufträgen können Sie in den ersten Monaten und danach rechnen, bzw. mit welcher zeitlichen Auftragsauslastung?
  • Mit welchen fixen und variablen Kosten müssen Sie in Ihrem Unternehmen rechnen?
  • Welche Umsatzhöhe dürfen Sie im ersten Jahr, unter Berücksichtigung von geplanter Auslastung und Stundenverrechnungssatz erwarten?
    Tipp: Gehen Sie an die Umsatzprognose einmal sehr optimistisch und ein weiteres Mal sehr pessimistisch heran und versuchen Sie einzuschätzen, wo die "gute Mitte" zwischen beiden Extremen liegen könnte.
  • Zu welchem Gewinn würde dieser Umsatz nach Abzug der geplanten fixen und variablen Kosten im ersten Jahr nach der Gründung führen?
  • Könnten Sie von diesem Gewinn nach Abzug von Steuern Ihren Lebensunterhalt bestreiten?
  • Ist zu jedem Zeitpunkt die Zahlungsfähigkeit, die Liquidität des Unternehmens gewährleistet?

Um hier eine Hilfestellung zu geben, sollen im folgenden die wesentlichen Planungsgrundlagen dargestellt und erläutert werden.

Die nachfolgenden Ausführungen dienen als erste Informationen und Unterstützung für die Erstellung der Planungsrechnungen.

Individuelle Hilfestellung geben Ihnen gerne unsere Betriebsberater. Bitte vereinbaren Sie mit uns einen Termin!

Terminvereinbarung

Sekretariat Betriebsberatung

Susanne Heth

Telefon +49 30 259 03 - 467
E-Mail heth(at)hwk-berlin.de

Sylvia Köckeritz

Telefon +49 30 259 03 - 467
E-Mail koeckeritz(at)hwk-berlin.de

Förderung der Beratung durch das BMWi

Broschüre | GründerZeiten Businessplan

Eine sehr ausführliche Darstellung zum Thema Businessplan finden Sie auch in der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie herausgegebenen Broschüre GründerZeiten Businessplan auf den Internetseiten des Existenzgründerportals des BMWi.

GründerZeiten 07 | Businessplan

Kapitalbedarf

Eine genaue Beschreibung wie Sie Ihre Kapitalbedarfsplanung erarbeiten können haben wir als Pdf-Datei für Sie zusammengestellt:

Kapitalbedarfsplanung

Finanzierungsplan

Nachdem Sie Ihren Gesamtkapitalbedarf festgestellt haben, ist dessen optimale Finanzierung anzustreben. Häufig stehen öffentlich geförderte Kredite oder Programme für Existenzgründer zur Verfügung. Lesen Sie dazu weiter unter Förderung | Finanzierung.

In der Summe von Eigenkapital und Fremdfinanzierung ergibt sich die Gesamtfinanzierung zur Deckung des von Ihnen ermittelten Kapitalbedarfs:

Eigenkapital

  • Bargeld | Bankguthaben
  • Sacheinlagen (Maschinen, PKW etc. zum Zeitwert)
  •  Sonstiges

= Eigenkapital gesamt

Langfristige Fremdfinanzierung

  • Öffentliche Fördermittel
  • Hausbankdarlehen
  • Sonstige Fremdfinanzierung (z. B. Verwandten- oder Bekanntendarlehen)

= Langfristiges Fremdkapital gesamt

Kurzfristige Fremdfinanzierung

  • Kontokorrentkredit der Hausbank
  • Lieferantenkredite
  • Sonstige

= Kurzfristiges Fremdkapital gesamt

Die Berater der Handwerkskammer Berlin unterstützen Sie gerne dabei, bei Existenzgründungen immer wieder auftretende Fehler zu vermeiden, wie zum Beispiel

  • zu geringer Eigenkapitalanteil
  • zu späte Verhandlungen mit der Hausbank
  • Investitionsfinanzierung aus dem Kontokorrentkredit
  • zu hohe Lieferantenschulden
  • keine Inanspruchnahme öffentlicher Finanzierungshilfen
  • fehlende oder mangelhafte Kapitalbedarfsplanung
  • finanzielle Überbelastung durch scheinbar günstige Kredite.

Tipp: Um sicherzustellen, dass die aus der Fremdfinanzierung erwachsenden Zins- und Tilgungsbelastungen nicht die wirtschaftliche Tragfähigkeit Ihres Betriebes übersteigen, sollten Sie die Kapitaldienstgrenze im Rahmen einer Rentabilitätsvorschau zu ermitteln.

Rentabilitätsvorschau

Die Rentabilitätsvorschau ist gewissermaßen eine Gewinn- und Verlustrechnung auf Prognosebasis.

Sie soll klären,

  • ob sich mit dem zu erwartenden Jahresumsatz ein nach Abzug sämtlicher betrieblicher Kosten ausreichender Gewinn erwirtschaften lässt,
  • oder umgekehrt, wie hoch der jährliche Umsatz sein muss, damit der Betrieb wirtschaftlich tragfähig ist und Sie von dem erzielten Gewinn auch leben können.

Ausgangspunkt für die Erstellung der Rentabilitätsvorschau ist eine Schätzung des zu erwartenden Jahresumsatzes. Der Umsatz setzt sich im Handwerk üblicherweise zusammen aus der Summe der verkauften, produktiven Stunden des Betriebes (abhängig von der Anzahl der beschäftigten, produktiven Mitarbeiter und dem Anteil der produktiven Mitarbeit des Inhabers) multipliziert mit dem zugrundezulegenden Stundenverrechnungssatz. Hinzu kommt das eingesetzte Material einschließlich des Materialzuschlags. Sollten Sie zusätzlich Handel betreiben, ist dies ebenfalls zu berücksichtigen.

Zunächst sollten Sie bei der Festsetzung des Stundenverrechnungssatzes, bei der durchschnittlichen Anzahl der produktiven Stunden pro Mitarbeiter im Jahr und bei Materialeinsatz und -zuschlag auf branchenübliche Werte zurückzugreifen, die Ihnen ggf. aus Ihrer Zeit als Arbeitnehmer bekannt sind oder die Sie über die Handwerkskammer oder die jeweilige Innung in Erfahrung bringen können. Später, bei Vorliegen und/oder Änderungen Ihrer betriebsspezifischen Kostenstruktur, sollte eine individuelle Ermittlung Ihres Stundenverrechnungssatzes durchgeführt werden.

Eine Rentabilitätsvorschau ist überlicherweise eine Jahresrechnung, d. h. sie umfaßt einen Zeitraum von 12 Monaten. Bei den Planungszahlen handelt es sich um Nettobeträge.

Hier haben wir für Sie ein Musterformular Rentabilitätsplanung hinterlegt.

Der ermittelte zu versteuernde Gewinn (Reingewinn) drückt die voraussichtliche Rentabilität Ihres Betriebes aus.

Da aber neben der Rentabilität ebenfalls die Liquidität des Betriebes (also die Höhe der tatsächlich erwirtschafteten Finanzmittel in einer Periode) von Bedeutung ist, werden die kalkulatorischen Abschreibungen (AfA), die zwar als Kosten zu erfassen sind, aber keine unmittelbaren Ausgaben verursachen, dem Reingewinn hinzugerechnet:

Reingewinn
+ Abschreibungen
= Cash flow

Wie Sie Ihre individuelle Kapitaldienstgrenze ermitteln können, haben wir als Pdf-Datei für Sie zusammengestellt:

Kapitaldienstgrenze

Sollte die Kalkulation beim zu versteuernden Gewinn (Reingewinn) und bei der Position Cash-flow zu geringe Werte aufweisen, kommen mehrere Ursachen in Betracht, zum Beispiel: 

  • der Stundenverrechnungssatz ist zu niedrig
  • die Anzahl der produktiven Stunden ist zu niedrig
  • die Produktivität ist zu gering
  • die Personalstruktur (das Verhältnis von produktiven zu unproduktiven Kräften) ist unausgewogen
  • die Investitionen sind zu hoch
  • die Finanzierungskosten/Zinsen sind zu hoch (Eigenkapitalanteil zu gering)
  • die übrigen Kosten (z.B. die Miete) sind zu hoch.

Bedenken Sie, dass bei gleichem Lebensstandard der Gewinn als Einkommen des Selbständigen deutlich über dem Einkommen eines Arbeitnehmers liegen muss.

Sämtliche Kosten Ihrer sozialen Sicherung, also der Altersversorgung, der Krankenversicherung, der Unfallversicherung etc., tragen Sie als Selbständiger allein.

Ein Merkblatt zur Ermittlung und Berücksichtigung der jährlichen privaten Ausgaben haben wir als Pdf-Datei für Sie zusammengestellt:

Privater Lebensunterhalt

Liquiditätsplan

Der Cash flow beschreibt ausschließlich die durch den Betrieb erwirtschafteten flüssigen Finanzmittel. Die Liquidität kann aber ebenfalls durch andere Mittel wie Darlehen, Privateinlagen, Zinserträge etc. erhöht oder gesichert werden.

Da die tatsächlich vorhandene betriebliche Liquidität über die jederzeitige Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft, die betrags- und termingerechte Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen Ihres Betriebes entscheidet, muss sie sorgfältig geplant sein.
Kurzfristige Zahlungsunfähigkeit kann zu erheblichen Problemen mit Gläubigern, bei der Auftragsvorfinanzierung usw. führen, langfristige Zahlungsunfähigkeit führt zur Insolvenz!

Gerade bei der Existenzgründungsplanung wird diesem Aspekt häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt: Investitionen in Anlagen und Werkzeuge sind zu tätigen, Kredite zu tilgen, Betriebsmittel (Miete, Gehälter, Versicherungen, Material etc.) zu finanzieren, ohne dass in den ersten Wochen oder Monaten nach der Gründung entsprechende Einnahmen in den Betrieb zurück fließen. Bis die ersten Aufträge eingehen, erste Rechnungen gestellt werden können und diese dann auch bezahlt sind, vergeht einige Zeit!

Um den Finanzierungsbedarf für diese Anlaufphase zu ermitteln (also den kurzfristigen Kapitalbedarf), erstellen Sie einen Liquiditätsplan, der die verfügbaren liquiden Mittel den Ausgaben gegenüberstellt, und zwar einschließlich der für die private Lebensführung erforderlichen Beträge.

Einen Vorlage für die Erstellung eines Liquiditätsplanes haben wir für Sie als Pdf-Datei hinterlegt.

Liquiditätsplan

In den meisten Fällen werden in der Anlaufphase die verfügbaren Mittel die Ausgaben nicht abdecken können. Eine Unterdeckung wird sich ergeben. Diese sollte über einen Kontokorrentkredit der Hausbank ausgeglichen werden, den Sie entsprechend dem Liquiditätsplan in ausreichender Höhe vor der Existenzgründung beantragen. Warten Sie mit der Beantragung nicht, bis der Bedarf tatsächlich eintritt. Aus der Liquiditätsnot heraus lässt es sich nur schlecht mit der Bank verhandeln! Besser ist eine rechtzeitige Liquiditätsplanung, welche die Liquidität zu jeder Zeit sicherstellt und Ihrer Hausbank den Eindruck vorausschauender kaufmännischer Planung vermittelt.

Eine vorausschauende Liquiditätsplanung ist jedoch nicht nur für Existenzgründungen erforderlich, sondern auch für bestehende Betriebe unabdingbar. Zahlungsfähigkeit ist zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten. Die Liquiditätsplanung ist daher als permanente unternehmerische Tätigkeit zu betrachten. Zeichnet sich aus der Planung ein drohender Liquiditätsengpass ab, sollten Sie z.B. überprüfen, ob:

  • die Rechnungsstellung ohne Verzögerungen erfolgt
  • den Kunden zu lange Zahlungsziele eingeräumt werden
  • die Gewährung von Skonto den Zahlungseingang beschleunigt
  • bei größeren Aufträgen Anzahlungen oder Teilzahlungen vereinbart werden können
  • Kredite ausgeschöpft werden können
  • fällige Zahlungen zeitlich verschoben oder gestreckt werden können

Ebenfalls Bestandteil der Liquiditätsplanung ist die liquiditätsorientierte Verwendung von erwirtschafteten Überschüssen. Vermeiden Sie überhöhte Privatentnahmen oder unnötige Investitionen und verwenden Sie momentane Überschüsse als Liquiditätsreserve.