Aktueller Wertungsstatus

2. Rentabilitätsvorschau

Die Rentabilitätsvorschau ist gewissermaßen eine Gewinn- und Verlustrechnung auf Prognosebasis. Sie soll klären, ob sich mit dem zu erwartenden Jahresumsatz ein nach Abzug sämtlicher betrieblicher Kosten ausreichender Gewinn erwirtschaften läßt; oder umgekehrt: wie hoch der jährliche Umsatz sein muß, damit der Betrieb wirtschaftlich tragfähig ist und Sie von dem erzielten Gewinn auch leben können.
Bedenken Sie, daß bei gleichem Lebensstandard der Gewinn als Einkommen des Selbständigen deutlich über dem Einkommen eines Arbeitnehmers liegen muß: sämtliche Kosten Ihrer sozialen Sicherung, also der Altersversorgung, der Krankenversicherung, der Unfallversicherung etc., tragen Sie als Selbständiger allein.

So ermitteln Sie Ihre jährlichen privaten Ausgaben: 

allgemeiner Lebensunterhalt   €           
+ Rentenversicherung  
+ Krankenversicherung  
+ Lebensversicherung  
+ private Miete, sonstige Belastungen für Wohnung oder
   Haus  
+ Aufwendungen für Privatdarlehen oder sonstige
   Verpflichtungen  
+ voraussichtl. Einkommen-, Kirchensteuer und
   Solidaritätszuschlag  
= jährliche private Ausgaben  

Die privaten Ausgaben stellen Ihren unbedingt zu erzielenden Mindestgewinn dar. Sollten Sie diesen nicht erreichen, bleiben entweder eine Senkung Ihres Lebensstandards durch eine Reduzierung der Ausgaben für den privaten Lebensunterhalt oder aber höhere Entnahmen aus dem Betrieb; letzteres allerdings mit dem Risiko, das betriebliche Eigenkapital über Gebühr zu mindern und so die finanzielle Basis des Betriebes zu gefährden

Im Falle der Gründung einer GmbH ist zu bedenken, daß Sie als angestellter Gesellschafter-Geschäftsführer ein Gehalt von der GmbH beziehen, vielleicht zusätzlich eine Gewinn- oder Umsatztantieme. Sie bestreiten Ihre privaten Aufwendungen dann nicht durch den eventuellen Unternehmensgewinn, sondern durch das Ihnen von der GmbH gezahlte Gehalt, das Ihre privaten Aufwendungen abdecken sollte.

Als Allein- oder zumindest beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer werden Sie in der Regel sozialversicherungsrechtlich als Selbständiger eingestuft und nicht als abhängig Beschäftigter (Klärung durch die gesetzliche oder Ersatzkasse, bei der Sie krankenversichert sind oder zuletzt waren). Das bedeutet, Sie müssen, obwohl Sie Angestellter der GmbH sind, für Ihre soziale Absicherung im gesamten Umfang selbst aufkommen. Die GmbH zahlt dann nicht, wie sonst bei allen anderen Arbeitnehmern, die 50 Prozent Arbeitgeberanteile für Ihre Sozialversicherung. Ihr Geschäftsführungsgehalt erhöht die Personalkosten des Betriebes und reduziert den Gewinn. Hier ist also auf eine der Wirtschaftskraft des Betriebes angemessene Gehaltshöhe zu achten, um keine Verluste zu erzielen.

Ausgangspunkt für die Erstellung der Rentabilitätsvorschau ist eine Schätzung des zu erwartenden Jahresumsatzes. Der Umsatz setzt sich im Handwerk üblicherweise zusammen aus der Summe der verkauften, produktiven Stunden des Betriebes (abhängig von der Anzahl der beschäftigten, produktiven Mitarbeiter und dem Anteil der produktiven Mitarbeit des Inhabers) multipliziert mit dem zugrundezulegenden Stundenverrechnungssatz. Hinzu kommt das eingesetzte Material einschließlich des Materialzuschlags. Sollten Sie zusätzlich Handel betreiben, ist dies ebenfalls zu berücksichtigen.

Zunächst sollten Sie bei der Festsetzung des Stundenverrechnungssatzes, bei der durchschnittlichen Anzahl der produktiven Stunden pro Mitarbeiter im Jahr und bei Materialeinsatz und -zuschlag auf branchenübliche Werte zurückzugreifen, die Ihnen ggf. aus Ihrer Zeit als Arbeitnehmer bekannt sind oder die Sie über die Handwerkskammer oder die jeweilige Innung in Erfahrung bringen können. Später, bei Vorliegen und/oder Änderungen Ihrer betriebsspezifischen Kostenstruktur, sollte eine individuelle Stundenverrechnungssatzermittlung durchgeführt werden.

Eine Rentabilitätsvorschau ist überlicherweise eine Jahresrechnung, d. h. sie umfaßt einen Zeitraum von 12 Monaten. Bei den Planungszahlen handelt es sich um Nettobeträge.

Der Aufbau einer Rentabilitätsvorschau kann dann wie folgt aussehen:

Rentabilitätsvorschau

A)   Umsatz aus handwerklichen Leistungen  €            
      Umsatz aus Handelswarenverkauf
=     Gesamtumsatz
- B) Materialkosten
       Materialeinsatz
       Handelswareneinsatz
=     Rohgewinn I
-C)  Personalkosten
       Bruttolöhne
       Gehälter (GmbH-Geschäftsf. und sonstige)
       Personalnebenkosten (Sozialabgaben)
=      Rohgewinn II
-D)   Sonstige Kosten
        Miete/ Pacht
        Heizung/ Energie
        Kfz-Kosten
        Telefon/ Portokosten
        Versicherungen, Gebühren, Beiträge
        Steuer- und Rechtsberatung
        Werbung
        Zinsen
        sonstige Kosten
 geringwertige Wirtschaftsgüter
 (unter 150 € Kaufpreis), Reparaturen,
 Instandhaltung
        AfA (Abschreibungen für Kfz, Maschinen
        Ausrüstung, Gebäude)
= E)  Reingewinn

Der ermittelte Reingewinn drückt die voraussichtliche Rentabilität Ihres Betriebes aus.

Da aber neben der Rentabilität ebenfalls die Liquidität des Betriebes (also die Höhe der tatsächlich erwirtschafteten Finanzmittel in einer Periode) von Bedeutung ist, werden die kalkulatorischen Abschreibungen (AfA), die zwar als Kosten zu erfassen sind, aber keine unmittelbaren Ausgaben verursachen, dem Reingewinn hinzugerechnet:

Reingewinn€  
+ Abschreibungen
= Cash-flow€ 

Gleichzeitig können Sie mit Hilfe des Cash-flow Ihre individuelle Kapitaldienstgrenze als maximal wirtschaftlich tragbare Belastung aus Zinsen und Tilgung und damit die Höchstgrenze für die Fremdfinanzierung ermitteln:

Reingewinn  €      
+ Abschreibungen€      
+ Fremdkapitalzinsen€      
= erweiterer Cash-flow
+ sonstige Einnahmen€      
-  private Aufwendungen€      
-  Einkommen-, Kirchensteuer und
    Solidaritätsbeitrag
€     
=  Kapitaldienstgrenze€      

Sollte die Kalkulation für Reingewinn und Cash-flow zu geringe Werte aufweisen, kommen mehrere Ursachen in Betracht, z.B.:

  • der Stundenverrechnungssatz ist zu niedrig
  • die Anzahl der produktiven Stunden ist zu niedrig
  • die Produktivität ist zu gering
  • die Personalstruktur (das Verhältnis von produktiven zu unproduktiven Kräften) ist unausgewogen
  • die Investitionen sind zu hoch
  • die Finanzierungskosten/Zinsen sind zu hoch (Eigenkapitalanteil zu gering)
  • die übrigen Kosten (z.B. die Miete) sind zu hoch.

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