
1. Kapitalbedarfs- und Investitionsplanung
Die Gründung eines Handwerksunternehmens kostet Geld. Das vorhandene Eigenkapital ist für die Finanzierung häufig nicht ausreichend, zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten sind zu erschließen. Um eine solide Finanzierung zu ermöglichen, benötigen Sie eine detaillierte Kapitalbedarfs- und Investitionsplanung, aus der der kurzfristige und langfristige Kapitalbedarf ersichtlich wird. Die Trennung in kurzfristig und langfristig ist erforderlich, da jeweils unterschiedliche Finanzierungsinstrumente in Betracht kommen.
Der langfristige Kapitalbedarf ergibt sich aus der Investitionsplanung, in der Sie sämtliche für die Betriebsaufnahme erforderlichen Investitionen mit den entsprechenden Anschaffungspreisen oder Kosten auflisten. Nach Möglichkeit sollten Kostenvoranschläge, Preislisten oder auch Wertgutachten zugrunde gelegt werden. Ist dies nicht möglich, behelfen Sie sich vorerst mit Schätzungen:
Investitionsplan
| Grundstück | € |
|---|---|
| + Gebäude | € |
| + Baumaßnahmen | € |
| + Baunebenkosten | € |
| + Werkstattgrundausstattung | € |
| + Maschinen, Geräte etc. | € |
| + Fahrzeuge | € |
| + Büroausstattung | € |
| + Materialerstausstattung | € |
| + Warenerstausstattung | € |
| = langfristiger Kapitalbedarf | € |
Die ersten Wochen und Monate nach der Betriebsaufnahme sind in aller Regel dadurch gekennzeichnet, daß den anfallenden Betriebskosten und Ausgaben zunächst keine entsprechenden Einnahmen gegenüberstehen, da zwischen ersten Auftragseingängen, der Auftragsabwicklung sowie den ersten Zahlungseingängen meist eine erhebliche Zeitspanne verstreicht. Der Betriebsmittelbedarf für diese Anlaufzeit (also z.B. Löhne, Gehälter, Mieten, Versicherungen, Werbung, Zinsen, Kredittilgung, aber auch die privaten Aufwendungen) stellt Ihren kurzfristigen Kapitalbedarf dar. Dieser ist entweder über Eigenkapitalreserven, über einen Kontokorrentkredit (Überziehungskredit) oder einen Betriebsmittelkredit zu finanzieren.
(Zur Ermittlung des kurzfristigen Kapitalbedarfs siehe unter Punkt 3 Liquiditätsplanung)
| langfristiger Kapitalbedarf | € |
|---|---|
| + kurzfristiger Kapitalbedarf | € |
| = Gesamtkapitalbedarf | € |
Nachdem Sie Ihren Gesamtkapitalbedarf festgestellt haben, ist dessen optimale Finanzierung anzustreben. Häufig stehen öffentlich geförderte Kredite oder Programme für Existenzgründer zur Verfügung. Für diesbezügliche Informationen und für die weitergehende Planung sollten Sie die Betriebsberatung der Handwerkskammer nutzen. Diese hilft Ihnen darüber hinaus, bei Existenzgründungen immer wieder auftretende Fehler zu vermeiden, wie z.B.:
- zu geringer Eigenkapitalanteil
- zu späte Verhandlungen mit der Hausbank
- Investitionsfinanzierung aus dem Kontokorrentkredit
- zu hohe Lieferantenschulden
- keine Inanspruchnahme öffentlicher Finanzierungshilfen
- fehlende oder mangelhafte Kapitalbedarfsplanung
- finanzielle Überbelastung durch scheinbar günstige Kredite.
Um sicherzustellen, daß die aus der Fremdfinanzierung erwachsenden Zins- und Tilgungsbelastungen nicht die wirtschaftliche Tragfähigkeit Ihres Betriebes übersteigen, ist die Kapitaldienstgrenze im Rahmen einer Rentabilitätsvorschau zu ermitteln.
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