Aktueller Wertungsstatus

Ausstellung "Body and Soul" zeigt: Lückenlose Überwachung und ein Mord

Pressemitteilung der Handwerkskammer Berlin

Preisträger Landespreis Gestaltendes Handwerk Berlin 2011 ausgezeichnet:

RFID-Technologie, unsichtbar eingebettet in einen Fingerring, überwacht seinen Träger. Rubine quellen wie Blutstropfen aus dem Halsstumpf einer französischen Konkubine. Hauchdünne Körpergefäße aus Limoges Porzellan sind gleichzeitig Hülle und Form. Schaurig-schön sind die Preisträger-Objekte des Wettbewerbs Landespreis und reizen das diesjährige Motto, „Body and Soul“ – Körper und Seele, bis zur Groteske aus. Am 25. November 2011 kürte die Handwerkskammer Berlin die Preisträger. Die prämierten und jurierten Stücke zeigt das Kunstgewerbemuseum noch bis zum 1. Januar 2012.

Der Goldschmied Florian Huhoff gewinnt mit seinem silbernen Ring „ID“ den 1. Landespreis. Der 23-Jährige hat die Jury nicht nur durch die präzise handwerkliche Ausführung und das klare reduzierte Design überzeugt, sondern hat mit dem Einbau von sogenannter RFID-Technologie in das Schmuckstück das Absurdeste sichtbar gemacht: Mit dem Ring von Florian Huhoff könnten sich Menschen – wo und wofür auch immer – einloggen und wären mit einem Handstreich erfasst. RFID-Chips dienen der Identifikation. Bibliotheken verbuchen beispielsweise ihre Ausleihe per Radio Frequency Identification.

Wenn der Goldschmied und Bildhauer Karl Wunderlich kreativ tätig wird, dann rollen Köpfe. Einer zumindest: der von Marie Jeanne, Comtesse du Barry. Sie war die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV und wurde wegen Unterstützung der Konterrevolution und Verschwendung öffentlichen Eigentums enthauptet. Dieser historische Kriminalfall bot die Vorlage für den Schmuckanhänger „Madame Du Barry“, der aus einem einzigen Stück Silber frei getrieben und „en ronde bosse“ emailliert wurde. Der Jury trieb das blutrünstige Objekt nicht nur Schauer über den Rücken, sondern entlockte ihr auch große Anerkennung in Form des 2. Landespreises.

Den 3. Landespreis erhält die Keramikerin Kaja Witt. Ihre Körpergefäße und Schalen aus gegossenem Limoges Porzellan bestechen durch ihren spielerischen Umgang mit Form und Material.

Außerdem wurden zwei Förderpreise an junge Nachwuchstalente vergeben. Die Herrenmaßschneiderin und Diplom-Modedesignerin Isabel Vollrath hat mit ihrem Abendkleid in Neonorange den Warnwesten-Stoff salonfähig gemacht und wurde für ihr Kleid mit Hut „Lost and found St. Petersburg“ ausgezeichnet. Die angehende Modedesignerin Muyao Zhang beeindruckte mit einer skulptural anmutenden Halskette aus geflochtenen Satinbändern und wurde ebenfalls mit dem Förderpreis geehrt. Eine Belobigung errang die Buchbindermeisterin Julia Büttelmann für ihre Uhr unter Glassturz, eine augenzwinkernde Anspielung auf die Doppeldeutigkeit „menschlicher Bedürfnisse“: Zigaretten, Sexheftchen und Fernseher – hier fast in Form eines Altars – vereinen Sozialkritik, schwarzen Humor und beste handwerkliche Tradition.

Der Präsident der Handwerkskammer Berlin, Stephan Schwarz: „Mit dem Landespreis fördert die Handwerkskammer außergewöhnliche Leistungen des Kunsthandwerks und des gestaltenden Handwerks in Berlin. Wir sind sehr stolz darauf, dass das Kunstgewerbemuseum das kreative Potenzial des Berliner Handwerks mit der Ausstellung „Body and Soul“ würdigt. Preisträgerstücke und Exponate müssen den internationalen Vergleich nicht scheuen. Sie laden ein zu einer Reise durch die zeitgenössische Kultur und vereinen meisterliches Können, künstlerische Improvisation und hochmodernes Design.“

Dr. Sabine Thümmler, Direktorin des Kunstgewerbemuseums: „Es ist die Verbindung aus künstlerischem Entwurf und handfertiger Könnerschaft, die den besonderen Reiz des gestaltenden Handwerks ausmacht. Jedes Objekt ist einzigartig – ein Unikat. Der Ausstellung dieser Exponate eine Plattform für ihren Auftritt zu geben, ist mir eine besondere Freude. Mit dem Landespreis fördert die Handwerkskammer Berlin Qualitätsbewusstsein und ästhetisches Formgefühl, das auch in unserem Haus traditionell eine zentrale Aufgabe darstellt.“

115 Tischler, Metallbauer, Textilkünstler, Gold- und Silberschmiede, Keramiker, Steinbildhauer und Glasgestalter haben sich mit insgesamt 210 Objekten in diesem Jahr an der Ausschreibung beteiligt. Der Preis, der bereits seit einem halben Jahrhundert im zweijährigen Turnus ausgelobt wird, ist mit 16.000 Euro ausgestattet und wurde erneut vom Kunstgewerbemuseum und der Berliner Volksbank unterstützt. Eine Expertenjury aus Handwerk, Hochschule und Kulturszene wählte Preisträger-Objekte und Exponate aus. Aus dem Motto „Body and Soul“, Körper und Seele, entstand die gleichnamige Ausstellung.

Die Unikate sind bis zum 1. Januar 2012 im Kunstgewerbemuseum zu sehen. Öffnungszeiten: Di. - Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. - So. 11 bis 18 Uhr, Mo. geschlossen.

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